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1/2 (1928) I. Der Novus Aesopus des Baldo. II. Eine lateinische Übersetzung der griechischen Version des Kalila-Buchs
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2 Beiträge zur lateinischen Erzählungsliteratur des Mittelalters.

vielen grimmigen Ausfällen gegen seinen Vorgänger durch per-sönliches Einschauen in die Wiener Hs. den Text bei weitem les-barer gestaltet haben. Noch viel blieb für die Textkritik übrigund die empfindliche Lücke in der Überlieferung unausgefüllt. MitRecht hat daher Graston Paris in der eingehenden Besprechungdes Hervieux'schen Werkes, Journal des Savants vom April 1899,S. 212 ff., die Mängel aufgedeckt, einige treffende Bemerkungen zumTexte Baidos beigesteuert und die literarische Bedeutung dieserFabelsammlung ins rechte Licht rücken zu müssen geglaubt. HatteHervieux angenommen, daß Baldo erst spät, jedenfalls nach derlat. Kelila-Übertragung des Johannes von Capua (2. Hälfte des 13.Jhdts.), die ihm als Quelle gedient habe, seine Bearbeitung ab-faßte, so meinte G. Paris, daß der Dichter, dessen leoninische Hexa-meter freilich oft genug holprig und unbeholfen sind, wohl nochins 12. Jhdt. x ) anzusetzen sei, jedenfalls von einer Benutzung desJohannes von Capua gar keine Rede sein könne. Vielmehr zeigteine genauere Prüfung seiner Passung, soweit sie sich mit dieserRezension des aus dem Pancatantra übernommenen und aus demHebräischen übersetzten Kelilabuchs 2 ) berührt, daß Baldo einervielfach eigenartigen, selbständigen, vielleicht mündlichen Über-lieferungsquelle in lat. Prosa 3 ) gefolgt ist, die demnach durch unsunbekannte Zwischenglieder auf den arabischen Grrundtext, diebekannte Ableitung des sanskr. Pancatantra, zurückgeht. Es gilt,die treffenden literarischen Bemerkungen von Gr. Paris auszubauen,

1) G. Paris hat auch später seine Ansicht kaum geändert, vgl. Eist, litterairede la France, t. XXXIII (1906), S. 218 n. 1: „On possöde, d'un versiticateuritalien nomine Baldo, qui vivait sansdoute au XII» siecle, vingt fahles latinestirces du Kalilah et Dimnah, qui paraissent avoir pour sourcc directe uno versionlatine en prose, non du livre enticr, mais de contes ou fahles choisis. Ce spicilegeavait etC fait, hien probablement, dans l'Italie du Sud, comme le furent plus tardla version de Joöl et celle de Jean de Capoue, et d'apres une bonne recensionarabe, nous ne savons ce que valait le travail du prosateur latin, mais l'arrangementde Baldo est deplorable". Ausreichende Beweise für die Datierung sind m. E.noch nicht beigebracht. Die törichte Identifizierung des Baldo mit dem Waldo,Abt von St. Gallen (f 779), durch Th. Reinesius, Epistolae ad Christianum Dau-mium, Jenae 1670, S. 212, ist natürlich längst abgetan. Dieser loht übrigens un-seren Dichter: Sunt ejus rhythmi mire simplices facilesque; accurati tarnen praecaeteris hoc genus et jucundi.

2) Vgl. J. Hertel, Das Pancatantra, seine Geschichte und seine Verbreitung,Leipzig 1914, S. 396 ff., über Baldo, auf G. Paris fußend, S. 412 ff.

3) Oh das Vorkommen griechischer Lehnwörter wie tegnis = technis v. 86. 717,chelis 470, chelidrus 528, conchis 331 einen Rückschluß von dieser Lateinprosa aufeine weitere griechische Vorlage zuläßt, wage ich nicht zu entscheiden. Das griech.Zitat 1065 ist, jener Periode entsprechend, verstümmelt wiedergegeben.