Druckschrift 
Maurerische Blüthen : Erzählungen, Reden u. Gedichte aus dem Freimaurerleben
Entstehung
Seite
240
Einzelbild herunterladen
 

240

oft auch, wie der Arme mit der Wohlthat Vorwürfe,Mißachtung, rauhe Worte hinnehmen muß, wodurch dasGefühl seines Unglücks nur schmerzlicher und bittererwerden muß. Mitten in diesen kalten liebelosen Strö-mungen der Welt ragt die Freimaurerei wie ein heiligesAsyl empor; wer zu ihm flieht, der erhält die Liebe, dievom Himmel stammt, die nicht Folge einer vorübergehendenStimmung, oder äußerlichen Wohlgefallens ist, sondernaus reiner Gottesliebe und auf Achtung vor der Menschen-würde beruht. O möchten wir, meine lieben Brüder, dasfreimaurerische Liebesband, welches uns an die Menschheitknüpft, recht innig und fest erhalten, und so treu bewahren,wie Epictet, der bis zu seinem Lebensende ein Freund derMenschheit blieb. Betrachten wir ihn zum Schluß nocheinmal so finden wir, daß er auch

3) reich und glücklich in seinen Idealen war.Die Gottesfurcht und Frömmigkeit war sein erstes Ideal.Das beweisen viele Worte von ihm. So sagt er: „Wasist das höchste Gut? Gott Dir folgen und mit Direins sein." Und an andern Stellen sagt er: „Nichts istherrlicher als Gott loben und preisen; der Mensch sollteöfterer an Gott denken, als er Athem holt." Ergebung inden göttlichen Willen; demüthiges Beugen unter seineFügungen, Ausharren auf dem Posten, wo ihn die Vorsehunghingestellt, das war die Krone seines Lebens, die er sichdurch keine Gewalt der Erde rauben ließ. Eben so theuerwar ihm das Ideal der Wahrheit, von welcher er be-hauptet, daß sie sich ihres Sieges selbst bewußt sei, währendder Wahn ihn nur in der Bestimmung Anderer habe.Verklärt und rein lebte auch das Ideal der Tugend in seinemHerzen; er stellte sie seinen Schülern in den erhabensten