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Der Gedanke, daß wir ursprünglich Alle von Gott ab-stammen, daß Gott der Vater aller Menschen sei, warder reine Quell seiner Liebe. Daher war sie nicht wankel-müthig, veränderlich, nicht kleinlich und von Vorurteilengehemmt, nicht einseitig und auf gewisse Classen von Men-schen berechnet; nein, er schloß alle Menschenkinder in sein,großes Herz ein; ja er hatte sogar für die Bösen, fürseine Feinde nichts als Mitleid. Wie schön sagt er:„Sollte man nicht eher Mitleid haben mit manchen Ver-brechern, als auf sie böse sein. Falsche Begriffe habewsie von Gütern und Nebeln- Ueberführe sie ihres Jrr-thums, so wirst Du sehen, daß sie ihre Fehler vielleichtverbessern. So lange sie ihren Jrrthum nicht einsehen,haben sie nichts, das mehr bei ihnen gelten könne, alsihre gegenwärtige Vorstellung von den Sachen. Wie?soll man dem Räuber, dem Ehebrecher nicht das Lebennehmen? Frage doch lieber, soll man dem, der sich überdie allerwichtigsten Sachen irrt und trügt, der nicht etwabtos sein Gesicht verloren hat und schwarz und weiß nichtmehr unterscheiden kann, sondern den Sinn, wodurch manGüter und Uebel unterscheidet, verloren hat, das Lebennehmen? Wenn Du so fragst, so wirst Du merken,,wie unmenschlich Du redest, und daß es eben so viel istals die Frage: Soll man die Blinden und Tauben lebenlassen? Du darfst den Lasterhaften nur bemitleiden, nichtihn richten." Noch an einem andern Ort sagt Epictet:„Wenn Dir Jemand Böses thut oder Böses nachredet,so denke, er thue oder rede es, weil er meint, es gehöresich. Er richtet sich nicht nach Deinen Begriffen, sondernnach den seinigen; wenn er aber falsche Begriffe von Dirhat, so ist der Schade auf seiner Seite, weil er sich be-