weise gewählt. Sie war wie die Verstorbene des großenVorzuges würdig, den Schwesternamen zu tragen; sie warein Muster, in Zuvorkommenheit, in Gefälligkeit und Be-scheidenheit; sie pflegte den ehrwürdigen Gatten in der zärt-lichsten Weise; sie war geistvoll genug, um seine Gefühlezu theilen, und sie unterhielt ihn täglich auf das An-genehmste durch Musik und Gesang.
Auch seine noch lebende Tochter pflegte den Gesang. Siewar der Augapfel des Vaters, und erheiterte seine Tage,wie ein Engel. So mochte wohl nur noch ein stiller Seufzerdurch die Seele Feßlers gehen, der Wunsch, nun ausruhenzu können von den Strapazen des Berufes und von denmancherlei Kämpfen, die er zu führen gehabt hatte. Unddie Stunde der Ruhe schlug auch bald für ihn.
15. Kapitel.
Ruhe und Heimgang zum ewigen Osten.
Wir versetzen uns zurück in die dreißiger Jahre des19. Jahrhunderts, und betreten die Hauptstadt des russi-schen Reiches, die Stadt Petersburg. Wir gehen dorteine breite und schöne Straße hinab, und bleiben voreinem großen Hause stehen. Auf dem hohen Altan desselbenbefindet sich ein Greis von kräftiger Gestalt. In geraderaufrechter Haltung steht er da, und schaut mit Ruhe demGewimmel auf der Straße und der sinkenden Sonne zu.Ein lebendiges Auge schaut aus seinem Angesicht, welchesmit dem Schmuck des Silberhaares umgeben ist. Er trägteinen langen weiten schwedischen Kaftan und um den Hals