Druckschrift 
Maurerische Blüthen : Erzählungen, Reden u. Gedichte aus dem Freimaurerleben
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

145

6. Kapitel.

Eintritt in die Loge. Lehr- und Wanderjahre.

Kaum war Feßler in Lemberg angekommen, als erauch sogleich daran dachte, seinen Lieblingswunsch, derJahre lang schon seine Seele erfüllt hatte, endlich auszu-führen und Freimaurer zu werden. Er hatte schon früherin Wien Vieles über den Orden erfahren, theils durcheigne Forschungen, theils durch den Beichtstuhl. Mancherum das Heil seiner Seele bekümmerte Freimaurer wargekommen, hatte sein trübes Schicksal gebeichtet und weitumständlicher gebeichtet, als es Feßler verlangte. Deraufgeklärte Beichtvater hatte dann in der Regel den Be-kümmerten den rechten Unterschied zwischen Loge und Frei-maurerei nachgewiesen, hatte ihre irrigen Ansichten aufge-hellt und sie selbst dem Bunde zu erhalten gesucht. Dabeihatte er treulich in der innern Loge seines eigenen Herzensgearbeitet und durch aufopfernde Thaten seinen Willenerprobt. Und so trat er würdig vorbereitet ein in dasHeiligthum der Maurerei. Am 1. Mai 1783 ward erzu Lemberg in der LogePhönix zur runden Tafel" aus-genommen. Da er das Formenwesen bereits kannte, sowar es kein Wunder, daß ihn manches kalt ließ; abergerade dieser Umstand führte herbei, daß die Brüder ihntheilweise verkannten und als unempfänglich verschrieen.Einigen tiefersehenden Brüdern entging es indeß nicht, daßer für die Sache, für den Kern der Maurerei sehr be-geistert sei, und so ward er namentlich durch die Be-mühungen des Bruders Cs, mit welchem er sich oftsreimüthig und offen über maurerische Dinge unterhaltenhatte, bald in den 2. und 3. Grad befördert und zum

Pilz, Maurerische Blütbeii. 10