136
in sein Kloster zurück kam, hatte man ihm auch seine ver-steckten Bücher geraubt, und für das lange Verweilenaußer dem Kloster mußte er öffentlich Wasser und Brodauf der Erde esseu. Nach mancherlei unangenehmen Auf-tritten erlangte er die Versetzung in das Kloster zu WienerischNeustadt, wo seine Demuth ebenfalls wieder auf harteProben gesetzt wurde durch den stolzen Lector Celsus, dernamentlich die entehrenden Strafen liebte. Wer ihm wider-sprach , mußte mit einem Prügel im Munde, Mordatschegenannt, oder mit einem Tuchlappen vor den Augen herum-ziehen. Als Feßler ihn auf einen Jrrthum aufmerksammachte, sollte er drei Prügel tragen. Der junge Sünderbehing sich aber mit zehn und erregte so ein furchtbaresGelächter, aber auch den unversöhnlichsten Haß des Lectors.W»r die Demuth des Menschen überspannt, macht ihn inder Regel frech und leichtsinnig. Alle Demüthigungenwaren indeß nicht im Stande, Feßlers strebenden Geistniederzudrücken, und Tag und Nacht studirte er jetzt dieWerke der berühmten Philosophen Hobbes, Baco vonVerulam re. Auch die Wolfenbüttler Fragmente fielen inseine Hände. Dieses Studium erleuchtete seinen Geistmehr und mehr, aber leider mußte er dabei wahrnehmen,wie das Gebäude seines ganzen Glaubens immer mehr zuwanken anfing und mit gänzlichem Einsturz drohte. Erempfand dies schmerzlich und seufzte wohl zuweilen ähnlichwie der Dichter: „Stolze Weisheit, durftest Du mirsrauben, das erhabne Seelenglück; nimm, was Du mirgabst, nur meinen Glauben, meine Ruhe gieb zurück!"Am meisten schmerzlich war ihm dies, als er, bereitszum Priester geweiht, in Anwesenheit der Mutter undseiner Anverwandten in der Capuzinerkirche zu Preßburg