bald durch seine Zweideutigkeit ein Quell der Mißverständ-nisse. Kurz, das Wort löst den Schleier von einerMenschenseele noch nicht. Wenn Jean Paul sagt:„Rede, und ich weiß, Wer Du bist," so mag er rechthaben. Wer Jemand ist, kann das Wort wohl sagen,aber nicht so leicht, was er ist. Doch wir haben dieHandlungen der Menschen vor uns, wir durchschauendurch dieselben ihr Streben, ihre Neigungen, ihre Ab-sichten. Durchschauen? Wie selten möchte das gelingen!Wer weiß, wenn wir eine That eines Menschen vor unssehen, wie weit sie sein eigen ist? Hat nicht Manchenschon das Schicksal die eifrigste That aus der Hand ge-rungen, und sie verwandelt zu einer entweder schlechtemoder bessern? Kann nicht jede That tausend Beweggründehaben, die entweder unbewußt oder bewußt im Herzen desThäters liegen, und weiß man denn immer, in wie weitdie Erziehung, die Noth, die Furcht, die Schwärmerei,der Aberglaube, die körperlichen Zustände den Menschenzu Thaten drängen? O, auch die That kann nicht denSchleier vollständig heben, der das Innere einer Men-schenscele verhüllt. Und darum wird es eine schwere Auf-gabe bleiben, ein Menschenleben nach seiner ganzen Tiefeund Wahrheit zu schildern. Dennoch will ich es wagen imVertrauen auf die Nachsicht meiner Leser, an solch schwereArbeit zu gehen, und das Leben eines Maurers zu zeich-nen versuchen, von dem ein achtungswerther Mann ge-sagt hat: „ Als ein Räthsel steht er da und wandelt unterseinen Zeitgenossen, unter jedem Tausend derselben vonEinem ganz gekannt, von Zweien theilweise verstanden,von Dreien zu etwas gemacht, was er nicht ist; von fastBierhunderten als undurchdringlich aufgegeben und von
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Maurerische Blüthen : Erzählungen, Reden u. Gedichte aus dem Freimaurerleben
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