Einleitung.
Motto: Hülfreich werde der Menschheit, so wieDu ein Sterblicher wolltest, und voll-end' als ein Gott, was Dir als Men-schen mißlangGoethe.
Weit umher in der.Welt geht der Forscherblick derMenschen. Er dringt hinein in die Tiefen der Erde, erschweift umher auf der Oberfläche, um die Wunder der-selben zu ergründen; er wagt sich hinauf in die Welt derGestirne und will auch hier heimisch zu werden suchen.Wie emsig aber auch der menschliche Geist vorwärts schreitetmit seinen Forschungen, immer bleibt er noch von Räthselnumgeben, immer hüllt die Wahrheit sich vor ihm zumTheil in einen undurchdringlichen Schleier. Und dasgrößte Räthsel bleibt der Mensch dem Menschen. Gelingtes doch nur wenigen, sich ein ganz treues Bild über sich
selbst zu verschaffen, sich selbst zu erkennen bis in die
innerste Falte des Herzens. Und noch viel schwerer bleibtcs, einen sichern Blick in den tiefen Herzensschacht andererMenschen zu werfen. Zwar haben wir so mancherleiZeichen, an welchen wir uns bei der Beurtheilnng An-derer halten. Wir achten auf ihren Blick, aber ist der-selbe nicht oft genug ein Heuchler oder ein Stummer?
Wir achten auf das Wort, aber, Himmel! welch ein
trügerisches Zeichen ist auch dies. Bald ist es nur einSpiel der Lippen; bald ein übereilter Bote, welcher seinenHerrn, den Verstand, nicht gefragt; bald ein falscherProphet und Ausleger des innern Heiligthums des Herzens;