Druckschrift 
Maurerische Blüthen : Erzählungen, Reden u. Gedichte aus dem Freimaurerleben
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

26

ins Schimpfen kommt, da kommt er schwer wieder heraus.Sagt man doch, er habe selbst ein gut Stück Aberglauben.",,Bekommt Ihr da nicht bisweilen Streit mit ihm?"„Ich weiß zu schweigen, und wer schweigen kann, istglücklich, ja kann sogar herrschen." „Da habt Ihr nichtUnrecht!" sprach der Fremde, schwieg eine Zeit lang undschien nachzusinnen.

„Es gehört wahrhaftig ein Heldenmuth dazu," beganner wieder, bei solch kläglichem Einkommen begeistert fürsein Amt zu bleiben; ich glaube aber, Ihr versteht dasKunststück auszuführen." „Nun," anwortete der Schul-lehrer, es kommen wohl Tage und Stunden, wo das Oelauf der Lampe versiegen will; aber wenn man's Gott-vertrauen nur recht gelernt hat, da verlernt man's auchnicht so leicht. Und wissen Sie, ein Capital bleibt mirimmer, es ist die Liebe meiner Gemeinde. Wenn dieLeute, die meine Schüler gewesen sind, mich anreden undich lese aus ihren Augen die rechte Dankbarkeit heraus,wenn ich merke, daß sie es eiusehen, was sie durch michgeworden sind, da bin ich unendlich glücklich und beneidekeinen König." „Dankbar sind aber nur wenige!" „O,nicht doch! Erst neulich haben die jungen Burschen undMädchen, die meine Schüler waren, mir einen Pelz ge-kauft und eine recht schöne Dose hineingesteckt, mit Tabakgefüllt. Hier ist sie!" Der Besuch besah die Dose, standaber auch zugleich auf, um wieder Abschied zu nehmen.„Ich sehe," sprach er, „daß das Kind in guten Händenist; das freut mich; es soll Euer Schade nicht sein, wennIhr es verpflegt mit Liebe und Sorgfalt." „Schongut! Schon 'gut!" rief der Lehrer und holte den Fritzherein, daß er von dem Herrn Abschied nehmen konnte.