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Maurerische Blüthen : Erzählungen, Reden u. Gedichte aus dem Freimaurerleben
Entstehung
Seite
7
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2. Kapitel.

Vorurtheil und Liebe.

Einige Tage nach dieser Beerdigung ereignete sich eineScene, welche zwei Herzen in Wallung und Eifer brachte.Wir versetzen uns im Geiste an den Ort, wo sie stattfand. In der Mitte jenes Dorfes, nicht weit von derKirche, stand ein neues, freundliches Häuschen. Es warzwar nur hölzern, aber doch fest und dauerhaft gebaut.Die Fensterladen waren blau angestrichen und über denFenstern standen allerhand Sprüche aus der Bibel; überder Hausthür stand: Unfern Aus- und Eingang segneGott! In diesem Häuschen, welches noch mit einemkleinen Blumengarten umgeben war, wohnte der Orts-richter. Er saß eines Sonntags Abends mit Frau undKind am Tische; hatte ein großes Predigtbuch aufgeschlagenund las eifrig darin; neben ihm saß sein Söhnlein, einKnabe von etwa 5 Jahren, welcher sich nahe an denVater setzte, um mitunter in das Buch sehen zu können.Die großen zierlichen Anfangsbuchstaben machten ihm be-sonders große Freude. Die Frau des Richters saß aneiner andern Ecke des Tisches und hatte das Gesangbuchaufgeschlagen. Aber sie las nicht; sie hatte ihren Kopfauf den linken Arm gestützt und sah sinnend vor sich hin.Aus ihren stillen Betrachtungen und Ueberlegungeu wurdesie plötzlich herausgerissen. Ihr Mann warf das großePredigtbuch zu, stand auf und ging hastig auf und ab indem Zimmer.Es wird nichts draus," begann er nacheiner Weile heftig,der Junge darf nicht her, magwerden was da will!"Aber Friedrich, ich bitte Dichnoch einmal, versündige Dich nicht an der Unschuld dieses