248 Warum bildet sich der deutsche Adel
würden erklären, umhin solche nur auf den ältesten fallenlassen, und den nachgebohrnen Kindern etwas mcyrerSals den Vorzug von vornehmen Eltern gcbohren zu seynund die damit natürlich verknüpfte Achtung emräumen ?
Aber, könnte man erst fragen, haben wir denn würk-lich einen andern Weg als die Engländer genommen?sind bcy uns die jüngern Kinder des Adels etwas mehrals fcepgcbok-rne Leute? Ist der Beweis, welcher in Dom-kapiteln, Ritterschaften und andern geschlossenen Orden,von einem der darin ausgenommen werden will, erfor-dert wird, etwas mehr als der Beweis einer freyen Ge-burt? Und steckt nicht der ganze Knoten darin, daß dasWortfrcyg bohrenden unscincn ausgedehntem Begriff*)hat, als bcy de» Engländern, und daß wir, blos nur umdie daraus entstehende Zweydeutigkeit zu vermeiden, undum eine bestimmte Art von freyer Geburt auszudrücken,die jüngern Söhne «delicti nennen?
So scheinet es, und wenn wir genau auf den Gangunsrer Sprache, die hier vielen Einfluß auf die Begriffegehabt hat. Acht geben: so findet sich auch würklich, daßwir das Wort freygcbohrn, weil es zwcydcutig war, unddie also bestimmte Art von frener Geburt nicht ausdrück-te, zuerst gegen Edelgcbohm, und wie auch-dieses imstarken Umlauf zu leicht wurde, gegen lwohlgcbohrn,-Hochrrohlgebohm, Reicchs-frey Hochwohlgebochrn undzuletzt gegen Hockgebohrn vertauschet haben, alles in derAbficht um den jüngern Kindern blos die Rechte ihrerGeburt zu erhalten, nicht aber um ihnen den Adel zu ge-ben,
*) Das Mort srey ist ein relativer Begriff, und esgicbt in N-nucirili so viele Arten von Lhurfrcycn, Nvthfreyen und Frey-ßebrhriicn, daß es wegen seiner wenigen Bestimmung ganzunbrauchbar ist-