86 Der Herr Sohn ist schlau.
teresse, wenn wir uns diesen Ruhm würklich erwerben,oder ihn wohl gar suchen. Der gewöhnlichste Vortheildaeon ist, daß andre auf sich Acht haben, ihr Herz voruns verbergen, und uns als gefährliche Leute fliehen.Wer Schlauigkeit zeigt, will immer dafür gehalten seyn,daß er einen andern üdcrlistigct habe, und derjenige, deruns dieses, es sey nun mit einem Worte oder mit einemAugenwinke zu verstehen giebt, warnet uns vor sich selbst.Wie müssen immer fürchten, daß er uns auch einmalüberlistigcn werde. Man liebt aber den Mann nicht,wovon man dieses fürchtet. Die einzige Ruhmsucht dieich einem jungen Manne verzeihe, ist diese, wenn er wahrund vorsichtig ist, und auch dafür angesehen seyn will.Alle übrige gute Eigenschaften muß er bloß handelnund mchc zu sehr glänzen lassen. Es ist em durchtrieb-ner Gast, sagte unlängst der Herr Obermarschal! von ihmzu dem gnädigsten Herrn, er weiß alles was vorgcht,erräth jeden Blick, und sicht mit Falken Augen; Siekönnen denken, wie mir dieses durchs Herz gicng, da derHerr Sohn zu diesem anscheinenden Lobe nicht gelangtseyn kann, ohne sich sehr verrathen zu haben,' Es istmir lieb, daß er alles sieht und weiß; aber cs ist znirnicht lieb, daß er sich damit ein so frühzeitiges Lob er-worben hat. Glauben Sie mir gewiß, der Fürst wirdihm dcsfalls nie trauen , und er wird künftig weit weni-ger sehen und erfahren, als wenn er nichts zu sehen schie-ne ; wenn sein gutes Herz nicht noch etwas wieder gutmachte, so würde man ihn wohl gar fl-ehrn. Aber wielange hält ein gutes Herz gegen die Versuchung Verstandzu zeigen? Wie kann man seinen Verstand besser zeigen,als durch Scharfsichtigkeit? Und was theilct man groß-müthiger mit, als das Vergnügen, was uns diese ver-schaft?
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