Der Herr Sohn ist schlau. 85
und habe manches Geschäfte unter Händen gehabt, aberimmer die Leute gefürchtet, die keine Sache gut aus-führen können, ohne auch die Ehre davon zu suchen undsich dieselbe in reicher Maaße geben zu lassen. Bey mirfinden dergleichen Leute nie Vertrauen, und der Mann,der leidem Freund nicht dienen kann, ohne mit einemglänzenden Blicke um seinen Dank zu buhlen, ist dochimmer ein eitler Mann, der sich von andern selbstsüchti-gen Menschen nur in der sanftem Manier und in einerglücklichem Wahl unterscheidet. Zwar glänzt auch dieFreudenthräne in unscrm Auge, und fließet der Erkennt-lichkeit eines Freundes entgegen, den wir glücklich ge-macht haben; dieses wissen Sie, gnädige Frau am be-sten! . . . Aber dieser, o dieser Glanz, wie sehr unter-scheidet er sich von dem Ausdruck der gierigen Selbstge-fälligkeit, die uns mit einem halb verschobenen Auge imVertrauen sagt: Gelt das habe ich recht klug gemacht!hier habe ich ihnen recht gedienet l
Jedoch ich will hier der Natur etwas Spielraumlassen, und wo diese endlich die verschiedenen Schatti-rungen in einander stießen läßt, keine Gränzpfäle schla-gen; ich möchte sonst, wenn ich einmal ein bisgen Ver-dienst bey Ihnen n brhig hätte, und Ihnen eine recht guteHandlung von mir erzählen könnte, vor lauter Philoso-phie davon gar schweigen, und der Freundschaft die süße-ste Nahrung entziehen. Nur das wollte ich eigentlich sa-gen : Mr Herr Sohn muß sich abgewöhnen für schlaugelten zu wollen.
Unmöglich kann ich den Mann für würklich schlauhalten, der schlau scheinen will. So verführerisch derRuhm eines überlegnen Verstandes ist, und so gern wirdiesem lieben Götzen opfern: <o gewiß handeln wir ge-gen unsere eigne Absicht, und gegen unser wahres Jn-
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