Z2 Etwas zur Policey der Freuden
gen, und hier möchte ich wohl einmal fragen: Ob wieden diesem Tausche gewonnen oder vcrlohren haben? AlsPoliccycommissarius sage ich. Nein. So viele Freudenuns auch der Schöpfer giebt, und so gern er es sehenmuß, daß wir sic mit Dank und Mäßigung gemessen:so offenbar finde ich, daß die Leute bey dem mäßigen Ge-messen zu Grunde gehen, die vorhin des Jahrs nur einoder zweymal Kopfweh zu erleiden hatten; ich finde, daßes für die policey leichter sey, einmal des Jahrs Anstal-ten gegen einen wilden Ochsen zu machen, als täglich dieKälber zu hüten.
Bey allem dem aber ist es doch auch hier zu verwun-dern, daß die Freuden und Ergötzungen unserer Vorfah-ren policeymäßiger gewesen sind, als die unsrigen. Inder ganzen bekannten Welt sind von den ältesten Zeitenher gewisse Tage dem Menschen dergestalt frey gegebenworden, daß er darinn vornehmen konnte was er wollte,in so fern er nur keinen Kläger gegen sich erweckte. DasAmt der Obrigkeit ruhcte an denselben völlig, und derFistus selbst konnte nickts bessers thun als mitmachen.Man findet alte Stadtordnungen, worinn an zweycn Ta-gen des Jahrs alle Arten von Glücksspielen erlaubet wur-den; die Obrigkeit duldete die Fastnachtszechen, undMummereyen bis in die Kirchen, und sorgte blos dafür,daß die unbändigen Menschen kein Unglück anfiengen; dieUebermaaße selbst wehrete sie keinem. Man erinnert sichder Saturnalicn wie der Narrenfcstc; man weiß, waszur Carnevalözeit in und ausser den Klöstern erlaubt war,und man sieht, ohne ein Montesquieu zu seyn, daß allerWelt Obrigkeit, den Patriarchen zu Consrantinopcl nichtausgeschlossen *), den Grundsatz angenommen hatte: die
Thor-
Iiilk, x. 6z y,