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Von einem Weinhändlcr.
die schlaffe Rezierungsform, ein dritter klagte die phi-losophische Erziehungsart an, und ein vierter brachte so-gar die Religion mit ins Spiel, um den eigentlichenGrund zu bestimmen, warum in dem rincn Lande mehrKunstgefühl und Geschmack scy, als in dem andern.'
Nachdem ich den Gelehrten meiner Mepnung nachlange genug zuaehöret hatte, so glaubte ich cndlia) auchmit etwas von meiner Weisheit oufwarten zu dürfenund sagte zu ihnen: Ader um des Himmels willen, wiekönnen Sic sich über eine solche Sache so lange zanken?ich kenne alle Gewächse des Rheingaucs, und will nichtallein alle Arten, sondern auch alle Jahrgänge auf dasgenaueste unterscheiden: das ist aber von ihnen keinerim Stande, und woher rührt dieser Mangel des Ge-schmacks bey ihnen? wahrlich nicht vom Klima und auchnicht von der Religion, sondern weil sie nieo, wie ick vonJugend auf in Kellern gewesen sind und nicht alle Artenvon Weinen oft genug versuchet haben.
Anfangs schienen sie zu stutzen, aber bald sagte ei-ner, das wäre etwas ganz anders; ein solches Memo-rienwerk als diese Weinkenntmß wäre, könne ein jeder ler-nen. Der Geschmack, der dazu gehörte, sey nicht derwahre Kunstgeschmack, der prüfen und glücklich wählenkönnte; es sey ganz etwas anders, eine Menge von Wci-'nen zu kennen und zu entscheiden welches der beste sey,man müßte sich ein Ideal machen können ....
Das wäre doch der Henker versetzte ich, und nahmdas Glas was eben vor mir auf dem Tische stand: dieserWein dahier ist ein Markebrunner von 1759 und wenner das noch hätte und dieses nicht: so wäre es der schön-ste Markebrunner den ich jemals getrunken habe; ichprüfe, wähle und entscheide hier besser als der P'.aüd^ tvon allen gelehrten Akademien in Europa, und n ü -
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