den ich in Berlin genau untersucht habe, redet für eine bestimmteZeit, wenn man in diesem Falle einstweilen auch nur nach Pe-rioden oder Jahrtausenden rechnen kann. Auf dem Boden lagnoch etwas von dem Inhalte, dag sich durch die ziemlich ver-schlossene Form der Urne darin erhalten batte. ES liegen in derUrne: in kleine Stücke zerbraunte Menschengebeine undein Blatt von einem thönernen Löffel; zwischen den Menschcn-gebeinen fand ich ein kleines Ringelchcn von Bronze und einungefähr einen Quadratzoll großes, dünnes, stark gerostetes Bruch-stück von einem getriebenen oder gehämmerten Gesäße ausBronze, welches mit zwei Reihen ganz kleiner, von innen her-aus getriebener Buckel verziert ist, ganz auf dieselbe Weise, wieso viele dünne, nicht gegossene Gefäße aus Bronzeblech aus denGräbern Norddeutscblands anS Licht gezogen werden. Solchenorddeutsche Gefäße sind z. B. die bronzenen Schalen von Dah-mrn und Kl. Lukow, wie sie in den mcklenburg. Jahrbüchern X,S. 283, und XIII, S. 376, von mir in Abbildungen dargestclltsind, ferner das Gefäß und die Nadel von Sparow, welche inSchroter und Lisch kriclerioo-kranoisoeum Ink. XII, ssiZ.2, und Isb. XXIV, kiA. 26, abgebildet sind (vgl. auch die Ab-bildung der Nadel in den Jahrbüchern IX, S. 332).
Diese Entdeckung verweiset die Albanerurne bestimmt indie Zeit der ausgebildeten Bronzeperiode, und man kannwohl mit Bestimmtheit das Ergcbniß der Forschung aussprechen,daß zu irgend einer Zeit die Bildung und der Geschmack beiden altitalischen und den norddeutschen und nordischenVölkern in vielfacher Hinsicht ganz dieselbe war, ja daß sic soweit ging, daß sich selbst seltene Formen bei beiden wieder-holten, wobei jedoch scharf zu berücksichtigen ist, daß die Völkerihre Eigcntbümlichkciten neben der gemeinsamen Kultur ausdrückten,wie z. B. die Albancrurnc ein Vordach oder eine Säulenhallevor dem Hause andeutct, welche in den südlicken Ländern sehrverbreitet und ein Bestandlhcil des Baustvls ward, in den nord-deutschen Ländern aber nicht zur Anwendung kam.
Ucber diese Albanerurnen ist zur Zeit ihrer Entdeckungauch wiederholt geschrieben. Der Herr Professor Gerhard theiltmir mit, daß Alcssandro Visconti (oder auch dessen BruderFilippo) eine kleine Schrift über diesen Fund herauSgcgeben habe,in welcher er diese Urnen für antidiluvianisch (!?) erkläre, daßaber sein öfteres Bemühen um diese Schrift bis jetzt vergeblichgewesen sei; das (Horns!« ^rosclioo des Jahres 1817 und derfolgenden Jahre würden aber wohl Nachmessung geben. Da abereinem mit Italien vertrauten Manne, wie dem Herrn ProfessorGerhard, diese Schrift unzugänglich geblieben ist, so wird mirmein Bemühen viel weniger gelingen.