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suchte vielmehr der kleinen Elise alle Angst und Furcht auszureden, und als ereinmal zur Stadt ging, brachte er ein schönes Buch — Centifolien oderhundert schöne Erzählungen für die Jugend — mit, worin die kleineElise mit großer Freude zu lesen pflegte. Johannes hielt sich zur Großmutter, dennihre Erzählungen gefielen ihm besser. Auch hatte diese Zuneigung noch einen andernGrund; denn wenn Hans einmal einen dummen Streich machte oder der jugendlicheMuthwille sich zu weit ausließ, so fand er bei der Großmutter immer Schutz oderwenigstens Fürsprache.
Einmal hatte er es aber doch zu toll gemacht, weshalb Vater Klein ernstlicheinschreiten mußte. Die Großmutter hatte nämlich eine Gespenstergeschichte erzählt,die aber darauf hinauslief, daß das Gespenst eine Katze gewesen, der ein muthwilligerJunge Nußschalen unter die Füße geklebt. Hans erzählte das seinen Kameraden,und man beschloß, einen ähnlichen Streich zu spielen. Zu dem Zwecke band Hansdem großen Hauskater eine kleine Gießkanne an den Schwanz. Das arme, gequälteThier sprang hin und her, denn die Last war zu groß, um damit weit zu laufen.Der Vater hatte solches gesehen, und unser Hans bekam dafür seine Strafe. Ja,die Strafe sollte eine nachhaltige sein. Am nächsten Sonntage war nämlich Jahr-markt in der Stadt, und Meister Klein pflegte denselben alljährlich mit der Frauund den Kindern zu besuchen, theils um nöthige Einkäufe zu machen, theils um sichund den Seinen eine Erholung zu verschaffen. Diesmal mußte Hans zu Hausebleiben, sein Weinen und das Bitten der Großmutter änderten den Vorsatz des Vatersnicht. Was er gesagt hatte, damit hatte es sein Bewenden: Hans blieb zu Hause. —
Meine kleinen Freunde haben gewiß auch schon einen Jahrmarkt besucht, wissen,wie viel da zu sehen und zu kaufen ist, wie ein buntes Durcheinander, ein fröhlichesLeben da herrscht: deshalb brauche ich davon nichts Näheres zu beschreiben. Elisehatte sonst immer viel zu fragen; bald blieb sie hier, bald dort bei einer Schaubudestehen: heute aber wollte so rechte Freude sich nicht bei ihr zeigen. „Ach!" sagtesie einmal, „wenn doch Hans hier wäre! Was mag Hans wohl machen?" DerMutter traten die Thränen in die Augen, und sie sagte: „Wir hätten ihn nurmitnehmen sollen!" — „Nein!" sagte der Vater, „Hans mußte ernstlich bestraftwerden, denn sein Muthwille könnte leicht in Rohheit ausarten. Wer sein Kind liebhat, der hält es in der Zucht." — Ungeachtet dieser strengen Rede des Vaters thates seinem Herzen doch wohl, daß Elise eine so recht schwesterliche Liebe zu ihremBruder zeigte. Jetzt kamen sie an eine große Bude, wo Kuchen verkauft wurden.Der Vater kaufte einen und reichte ihn dem Töchterchen mit den Worten: „Hier,Elise, iß!" Elise brach den Kuchen zur Hälfte durch und steckte ihn in die Tasche.