Druckschrift 
2 (1778) Patriotische Phantasien
Entstehung
Seite
226
Einzelbild herunterladen
 

226

Es ist allezeit sicherer

wenn ich nichts dawider hätte. Alsdenn will ich heuteüberall herum gehen, und meinen Freunden bekannt marchen, daß ich ihnen morgen ein ganz neues Original ausDeutschland zeigen wurde, desgleichen seit Erschaffung derWelt noch nicht in Paris gewesen wäre; ich will eine Be-schreibung dabey machen . . . Und hier machte er würklicheine, worinn ich bis auf die Tatzen und das Fell eine ziem«licheAufrichrigkeit.fand. Was sollte ich rhun? MeinFreundgieng mit einem 8,ns!»äieu und )U!gus revoir davon, undüberließ mich meinen Betrachtungen. Die ersten warennicht die ruhigsten. Endlich aber faßte ich das Herz, mirselbst getreu zu bleiben, und mich so zu zeigen, wie ichglaubte, daß ich mich zeigen mußte. Und auf einmal warich über meinen Schneider, meinen Friseur, und meinenMicthlaquais erhaben. Mein Freund frruete sich des amdern Tages, mich in vollkommener Bärengestalt zu finden,und ich, der Bar, und er, der Barenleiter fuhren glücklichin die Gesellschaft. Ich merkte gleich ein vorwitziges Auf«sehen; nahm aber doch den Ton der Gesellschaft an, underzählete ihnen meine Geschichte mit der aufrichtigsten Einfalt,welche der Wahrheit bisweilen so vielen Nachdruck gebenkann. Und was meynen Sie, daß darauf erfolgte? EinFrauenzimmer, welches ich aus Erkenntlichkeit billigals das schönste in der ganzen Gesellschaft rühmen muß,nahm das Wort mit einigem Eifer und sagte: Es ist dochkein abgeschmackter Ding in der Welt, als ein junger Pa«riser. Er hat die Vernunft einzusehen, daß er selbst daSlächerlichste Original sey, und will doch, daß Fremde sichnach chm bilden sollen. Er ist stolz genug zu glauben, daßfeine Narrheit unnachahmlich sey, allein um das boshafteVergnügen zu haben, sich gegen einige Copeyen halten;»können, beredet er andre zur Nachahmung, welche, wennfie seine Vorzüge erreiche» könnten, ihn rasend machen wür«

den.