Als ich ihm zuerst begegnete, — oder ich will lieber sagen,als Gott ihn mir und mich ihm zuführte — es sind mehr alsdreißig Jahre seitdem verflossen —, wie hülflos war der blondeKnabe da! Das Licht seiner Augen war allmälig erloschen,er wandelte einsam seinen Weg. Ich hatte ihn zu lehren. AufSpaziergängen in Flur und Wald eben so sehr, als in derStille des Hauses wurden die gewöhnlichen Studien höhererSchulen, vor Allem die alten Sprachen getrieben. Er dachtedaran, es möchte noch gelingen, später ein gelehrtes Fachzu pflegen, wenn Gott sein: „Thne dich auf!" einmal überseine Augen gesprochen hätte. In unglaublicher Spannkrafterfaßte er die Dinge und Hielt sie fest. Der Unterricht imGriechischen begann damit, daß ich die Formen der Buchstabenmit deni Finger in seine Handfläche schrieb. Es war eineschöne Zeit. Mit großer Demuth trug er seine Leiden undnahm aus Gottes Händen dankbar und froh die allmäligcHeilung seiner Krankheit an.
Zum Jüngling gereift fand ich ihn dann, als ich nachlanger Abwesenheit wieder in die rheinische Heimath zurückkehrte.Eben erst war der Lieblingsplan seines Lebens, ganz denWissenschaften zu gehören, geopfert. Die einfache Fragenach der Pflicht, nach der Pflicht des Kindes, des Bru-ders hatte Alles entschieden. So begann er in die prakti-schen Arbeiten hier am Orte einzugehen und machte seineEntwürfe für die Zukunft. Die Umgestaltung des väterlichenErbes nach den Bedürfnissen der Jetztzeit erfüllte seine Seele.Auch da bewährte er sich als guter Sohn. Es gelang, vieleSchwierigkeiten glücklich zu besiegen, und der Flug und Zugnach oben ermattete nicht in der Erfüllung seiner täglichenund immer wachsenden Pflichten.
So ward er zum Mann. Die Pläne, welche er unab-