XIII.
Die vier letzten Kurfürsten Kölns und die unter ihnen inöffentlichen Ämtern wirkenden Glieder der Familie Hertmanni.
a) Joseph Clemens 1671—1723.
Er war bayerischer Herzog; kaum 13 Jahre alt (er war am 5. 12. 1671geboren) wurde ihm schon 1684 die Bischofswürde von Freising und ein Jahrspäter auch die von Regensburg übertragen. Es geschah damals oft, daß dienachgeborenen Söhne aus regierenden Häusern dadurch versorgt wurden, saßsie eine kirchliche Pfründe schon in jungen Jahren erhielten. Die Bischofs-würde war unabhängig von dem Priesteramte. Priesterweihe und Bischofs-weihe wurden dann später erst nachgeholt, wenn das kanonische Alter er-reicht war.
1688 bewarb sich Joseph Clemens gegen den französischen Kandidaten Wil-helm von FUrstenberg um das Erzbistum Köln und wurde trotz geringererStimmenzahl bei der Wahl am 19. 7. 1688 vom Papst und den anderen Kur-fürsten als Erzbischof von Köln anerkannt. Seine Weihe zum Bischof erfolgteerst am 25. 12. 1706.
Diese Doppelwahl in Köln lieferte neben den von dem französischen KönigLudwig XIV. auf die Pfalz erhobenen Ansprüchen die Veranlassung zu demKriege mit Frankreich von 1688—1697, in welchem die kurfürstliche ResidenzBonn im Oktober 1689 von den Brandenburgern unter Kurfürst Friedrich IIInach schwieriger Belagerung erobert wurde. Während des spanischen Erbfolge-krieges 1710—1713 stand Joseph Clemens, veranlaßt durch glänzende Ver-sprechungen, auf der Seite Ludwigs XIV. Er mußte 1703 nach Frankreichflüchten, wurde von Kaiser Joseph in die Reichsacht erklärt, nachher jedochdurch den Friedensschluß zu Rastatt am 7. 3. 1714 wieder in seine Lande ein-gesetzt. Joseph Clemens wird uns als ein maßlos eitler Mensch geschildert.Bei seiner großen Verschwendungssucht befand er sich stets in Geldverlegenheit.Seine Untertanen hatten darunter sehr zu leiden. Wenn der französische Erz-bischof Fenelon von ihm einmal sagte, „daß er einen solchen Glauben noch niegefunden habe", so dürfen wir auf ein solches Urteil nicht viel geben, da es einFranzose fällte, der natürlich ein großes Interesse daran hatte, den Franzosen-freund Joseph Clemens in ein glänzendes Licht zu stellen. Er starb am 12. 11.1723 zu Bonn.
Zu seiner Zeit war Johannes Hertmanni — 4007 — kurkölnischer Schult-heiß in Schwadorf bei Brühl. Bon dem Gatten der Anna Katharina Hert-manni — 68—, dem Franz Heinrich von Fabri, wissen wir, daß er unterdiesem Kurfürsten Geheimer Hosrat und Kanzleidirektor in Bonn war.
Außerdem sind folgende Glieder der Hertmannischen Familie unter ihmin öffentlichen Ämtern tätig gewesen: