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Diese Verwahrlosung zeigte sich naturgemäß auch auf dem sittlichen undgeistigen Gebiet. Die alte deutsche Sitte schwand unter dem Einfluß derFremden, die unser Land überschwemmten. Die kernige deutsche Sprache einesLuther ging verloren, und an deren Stelle trat jenes fürchterliche, schwerfälligeSprachgemengsel, das die Lektüre selbst der einfachsten Urkunden jener Zeituns heute so schwer macht. Man lese nur die auf Seite 40 abgedrucktenBriefe des Pfalzneuburgischen Kurfürsten oder die Schenkungsurkunde unseresJohann Wilhelm Hertmanni, des Kanonikus von St. Severin in Köln, aufSeite 33 nach. Man sollte nicht denken, daß ein gebildeter Mensch 150 Jahrenach Luther so schreiben konnte. Der Deutsche hatte scheinbar alle Erinnerungan seine große Vergangenheit verloren.
Naturgemäß erholten sich der Adel und die Fürsten am schnellsten wieder.Diese hatten sich ein unseliges Vorbild gewählt, den Franzosenkönig Lud-wig XIV. Das Volk hungerte, mußte hungern, um den Wenigen die schamlosestePrasserei zu ermöglichen. Und diese Verschwendungssucht und Großmanns-sucht ergriff nach und nach auch die oberen Beamtenkreise, in denen man selbstdas Glück der Familie opferte, nur um mit glänzenden Titeln versehen auf-treten zu können. Ob sich unsere Vorfahren von dieser Art der Lebensauf-fassung alle freigehalten haben? Es ist schwer, ein Urteil darüber abzugeben,da uns leider bei den allermeisten ein Blick in ihr Geistesleben bei der Spär-lichkeit dessen, was wir von ihnen außer einigen Lebensdaten wissen, nichtmehr möglich ist. Von einem wissen wir es bestimmt, daß er ein hervorragendtüchtiges Glied der Menschheit seiner Zeit gewesen ist; das war Johann MichaelHertmanni —48—.