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1 (1928) Die Familie Hertmanni
Entstehung
Seite
371
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zum 4. Juni gefeiert werde. Und es wurde mit einem Pomp gefeiert, der inKöln noch nie entfaltet worden war. Die Stadt wurde gleichsam in einenweiten Tempel umgewandelt. In dem Prozessionszuge, der sich am Sonntagdem 27. Mai durch die Straßen bewegte, wurde eine unerhörte Pracht ent-faltet. Allein 23 kostbare Heiligenschreine, von Priestern auf den Schulterngetragen, wurden hierbei zur Schau gebracht. Eine große Zahl hoher geist-licher Würdenträger und Reichsfürsten schritten im Zuge. Hierbei wird aus-drücklich erwähnt, daß die Ratsherren der Stadt die Baldachine trugen, unterdenen die Kirchenfürsten gingen. Und wir meinen, wir sähen auch den Rats-herrn Michael Hertmanni im weißen Haar würdig einherschreiten.

In den Jahren 16351642 kamen wieder mancherlei neue Nöte überKöln. Die kaiserlichen Truppen standen bei Zons am Rhein in einem festenLager und verheerten die ganze Umgebung in schrecklicher Weise. Bis unterdie Wälle der Stadt Köln dehnten sie ihre Plünderungszüge aus, so daß dieKölner Bürger nichts ernten konnten. Dann folgten hessische und weimarscheTruppen, die ebenfalls grauenhaft in der Umgebung der Stadt hausten, so daßdie Bevölkerung in steter Angst schwebte. Michael Hermans ist in dieser Zeit(1638) gestorben. Vom Jahre 1643 an saß sein Sohn Johann Hermans 72im Rat der Stadt. Zu seiner Zeit hatte Köln bis zu dem im Jahre 1648erfolgten Friedensschluß von Münster und Osnabrück Ruhe und konnte sichvon den früheren schweren Zeiten wieder langsam erholen.

Nach dem Tode des Erzbischofs Ferdinand wurde im Jahre 1650 wiederein bayerischer Herzog, Maximilian Heinrich, zum Kurfürsten von Kölngewählt. Damals spielte Michaels Enkel, der Geheime Hofrat Or. JohannMichael Hertmanni 48 im Kölner Leben eine bedeutende Rolle. Eswaren hohe Festtage für die ganze Stadt, als der neue Erzbischof anfangsJanuar 1663 sein Amt antrat. Dieser war ein rechtlich denkender, charakterfesterMann, der aber dadurch seine Stellung sich selbst erschwerte, daß er sich eng anFrankreich anschloß, wodurch er sich die Ungnade des Kaisers Ferdinand IV.zuzog. Er war zu dieser franzosensreundlichen Stellungnahme durch seinenFreund, den Straßburger Kardinal Egon von Fürstenberg, veranlaßt, denbekannten Verräter an der deutschen Sache, der Straßburg den Franzosen aus-lieferte, und der den französischen König an dem Portal des Münsters mit denbiblischen Worten begrüßte:Herr, nun lässest Du Deinen Diener in Friedenfahren, denn meine Augen haben den Heiland gesehen."

Als Max Heinrich 1688 starb und ein Verwandter dieses StraßburgerKardinals Fürstenberg bei der Erzbischofswahl die meisten Stimmen erhielt,wußte der Kaiser Leopold diese Wahl zu Hintertreiben und die Wahl desPrinzen Joseph Clemens von Bayern durchzusetzen. (Siehe Seite 374.)

Auf die weitere geschichtliche Entwicklung der Stadt Cöln hier einzugehen,erübrigt sich, da unsere Vorfahren außer einem, nämlich dem im Jahre 1765 ver-storbenen Johann Bernhard Hertmanni, nicht mehr im stadtkölnischen Dienstestanden. Die Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege ist in Köln angefüllt vonerbitterten Religionskämpfen, im Verlauf derer den Evangelischen sozusagenalle Bürgerrechte vorenthalten wurden. Selbst ein katholischer Schriftstellerwie von Mering, kann nicht anders, als diese Zeit der Verfolgung der Evange-lischen mit den schärfsten Ausdrücken zu brandmarken.