und Heuchlerische! Und hinwiederum welche Freude am sonnigenwonnigen Heim, welche Lust am geselligen Verkehr! Sprudelnde Er-findung, aber keine Lüge, keine Scheinmache; Wahrheit, aber keinStumpfsinn, keine gähnende Ode! Kunst, echt und lebensvoll, so wiedas Rauschen der vielhundertjährigen Eichen ringsum und der Vogelfangim nahen Erlenbusch!
Machen wir eine viertel Wendung nach Süden um das Schloß herum,so bietet sich uns ein anderes Bild:
Da steht er wieder im Vordergrund der ungefüge Hüne und bedecktmit seiner breiten Brust fast das ganze Schloß; sein Bruder aber dahinten reckt sich noch weit höher empor; und nun schauen sie dich beidegroß und mitleidig an: „Was gaffst du, modernes Menschlein? Kannstes nit begreifen, daß es so kerngesunde und ehrliche Kerle gibt, dieJahrhunderte hindurch trotz Krieg und Unwetter aushalten? Bist diepapprigen Frätzchen in deiner Kistenstadt gewohnt, he? Die schonvor der Geburt an der Auszehrung kranken? Geh heim und sag'sdeinem Geschlecht, was für eine weichliche und scheinheilige Sippschaftes in unseren Augen ist, gegen eure Altvorderen, die uns geschaffen haben!Wir wissen zwar, daß ihr unfähig seid, es uns gleich zu tun, aberachten sollt ihr uns darum doch!" Ei, warum nicht gar, ich achte euchschon! Und — ich — schäme mich, euch Recht geben zu müssen.Machen wir einen halben Kreis weiter ums Schloß herum, so treffenwir auf den Burgwart. Wohl ist er bis an die Zähne gewappnet undstellt sich dem Fremdling breitbeinig hinter der Brücke in den Weg,aber ein freundliches Gesicht schaut unter der Glockenhaube hervor.Weh dem Feind, wohl dem Freund! Und wie der Erker, das schlankeblanke Töchterchen an den Vater Burgwart wie schutzsuchend sich an-schmiegt und mit seinen Rautenaugen verstohlen uns anblinzelt! O, ichversteh euch Beiden! Wie schade, daß mir die Mittel fehlen, euch diesBild farbig wieder zu geben! Bildet der Farbenreichtum einen Haupt-reiz der Niederrheinischen Landschaft, was ist er erst hier! Ein Far-benleben vom finstersten Ernst zur hellsten Freude; vom Schwarz derEibe zum Silbergrau des Himmels; vom Grün des Sumpfes zumRot der Ziegel; vom Gelb des Putzes zum Blau der Leyen.
Soweit ist das Schloß und seine Umgebung in seiner alten Schönheituns erhalten geblieben; aber blickt nur in den Hof hinein, da habensie gehaust wie die Vandalen! Wer denn? Nun der Herr „Restau-rator" und Gen.! Kennt ihr ihn nicht, den Mann mit dem Styl-wissen und dem Schuldünkel? Das heißt: Alles was Recht ist, erhat's selbst nicht verbrochen, seine Helfershelfer sind's gewesen; er istinsofern unschuldig daran, als er's in „Cylinder" „Glaos-Handschuhen"und durch den Zwicker lediglich begutachtet hat. Jetzt sitzt es aber daund es läßt sich nicht mehr wegwischen, der moderne Schandsteck auf