der nämliche wohl auch, der die Kempener und Linner Burg schuf, hatden Geist seiner Zeit und das Wesen seiner Bauherren deutlich aus-zudrücken verstanden. Er schildert sie so:
Von maßloser Herrschsucht zeugen die starren glatten strebenden Türme.Kein Sonnenstrahl, der die Herzen erwärmen könnte und die Geisterentflammen, dari ins Innere dringen zu den geknechteten Hörigen.Nur so viel Licht als zum Weiterdämmern eben nötig, wird durchLucken und Schlitze zugelassen. Und für allzu lichtempfindliche Köpfegibt's besondere dunkle dumpfe Gelasse. Und drinnen, vor den Augender Welt bewahrt, glimmt im Dunkel der Fäulniß Irrlicht: Wahnwitzund Aberglauben reichen sich die Hand, um altersschwache rotäugigeWeiber als Hexen und jugendkräftige hellsehende Männer als Zaubererund Ketzer zu verbrennen, damit die Herren da oben auf der Plattformund da unten in der weitfenstrigen Pfalz sich des Sonnenlichtes, desvom Herrgott gepachteten, ungeschmälert freuen können, getragen vonden dienstbaren Geistern, die, einer wie der andere, in gebückter Stellungdemütig gehorsam verharren, geschützt von den Zinnen ihres Glanzesund Hochmuts gegen fremde Endringlinge.
Die Zeit, die Alles ausgleichende. Alles versöhnende Zeit hat es nichtvermocht, den Eindruck zu verwischen. Wohl fraßen Wasser und Feuer anStein und Holz, wohl warf der Sturm etzliche Dienste und Zinnenhinab, wohl umgab der Schöpfer selbst mit frischem ledigem Grünjahraus jahrein die öden starrenden Mauern, läßt sie vom Immergrünumranken und mit Moos und Flechten bewachsen; ja oben auf denHauptturm stellte er sogar einen grünenden Baum hinauf; und der„moderne Mensch, der praktische Clown," glaubte ein Gegenstück leistenzu müssen und errichtete eine „schöne" schmiedeeiserne Windmühleauf dem Rundturm — hilft nichts — noch stehn die Steine geschichtet,noch ruft der Mund ihres Baumeisters über vier Jahrhunderte hinweg
in unsere Zeit hinein.-Seht, wenn wir keine Geschichte
hätten, oder, wenn sie noch mehr gefälscht würde wie bis heran: Hiersteht sie in Stein geschrieben für den, der lesen kann und will.
3. Haus Stockum bei Anrath.
Selten wohl dürfte ein Bauwerk so mit der Landschaft verwachsen sein,wie Haus Stockum. Welch hoher Reiz liegt doch in dem innigen Zu-sammenwirken von Schöpfung und Kunst: Der Rahmen das Werkdes Schöpfers selbst und das Bild drin das Werk von Menschenhand,vom Geiste des ewigen Meisters beseelt! Beim Näherkommen freilichwird die Einbildung durch die mangelhafte Ausführung, die bald anunsere zeitgenössischen Machwerke erinnert, zerstört. Wer in die Gegendkommt, versäume es trotzdem nicht, das Haus, das rechts abseits derStraße von Anrath nach Neersen liegt, aufzusuchen. Das malerische