n6 Von der Mittheilung eigener Gedanken.
samkeit des Zuschauers mit mancherleu Nebendingen zubeschäftigen sucht, um unter der Hand sein Kunststückim Verborgenen zu treiben: eben so sucht z. B. der unrredliche Schriftsteller durch eingestreute Bemerkungengegen Religion, Sittlichkeit, bestehende Staatsverfas-sung, oder der falsche Höfling durch verdächtige Reden,die er den Lobreden auf seinen Feind einmischt, unbe-merkt Schaden zu stiften.
Viele suchen ihre Leser oder Zuhörer durch Lobsprürche und Schmeickcleyen zu gewinnen, und besondersdiejenigen unter ihnen, die ihnen wichtig genug scheinen,uch ihre Absichten befördern zu helfen. — Bisweilenübe^.ißt der Schriftsteller mit verstellter Bescheidenheitdas entscheidende Unheil dem Leset selbst, nachdem erihn sch, vorher auf eine solche Weise vorbereitet hat,baß er sich leichter auf seine Seite neigt. — Ein An-derer kündigt seine Sähe mit grosier Dreistigkeit und i»einem solchen zuversichtlichen Tone an, daß er die Leicht-gläubigen überredet, es lasse sich gar nicht an der Rich-tigkeit derselben zweifeln. — Ein Anderer sagt wohldas Gegentheil von dem, was er glaubt, bringt aberso schlechte Gründe vor, das; .er den Leser oder Zuhörerfür seine eigentliche Meinung gewinnt (so wie ein un-redlicher Sachwalter die Sache seines Clienten mit Ab-sicht so schlecht vertheidigt, daß sie verloren gehen muß,weil er von der Gegenparthei bestochen ist).
Einer der gewöhnlichsten, aber schlechtesten Kunst-griffe des Sophisten in dem Falle, daß er einen Sahnicht mit Gründen wiederlegen kann, bestehet darin,daß er ihn lächerlich zu machen sucht» Dieses thut beydem großen Haufen oft seine Wirkung, ob es gleich