Von schriftl. und mündl. Unterricht. 207
studiren, und fremde Gedanken sich ganz eigen machen.— Hat man einen Freund, mit dem man über daSGelesene sprechen kann, dessen Einwürse oder Erläute-rungen Stoff zu weiterer Unterhaltung geben, undzum Versuche einladen, sie zu beantworten oder weiterauszuführen, so gewinnt die Bildung des Geistes durchLektüre noch mehr.
Die Ordnung, in welcher man wissenschaftlicheSchriften liefet, ist in manchen Kästen, besonderswenn man eine Wissenschaft anfängt zu studiren, nichtgleichgültig. Wenn man sie so auf einander folgenläßt, daß man das leichtere zuerst liefet, und dasschwerer» darauf folgen läßt, so wird viel Mühe undZeit gespart. Oesters kann dabey der Rath sachveriständiger Männer von Nutzen seyn.
Abwechselung in der Lektüre ist nothwendig. Werstets nur eine Act von Schriften liefet, bekommt leichtdadurch eine einseitige Bildung. Bald müssen ernstehafte und schwere, bald unterhaltende Bücher gelesenwerden, um sich zu erholen, und zu neuer Arbeit zustärken.
Man lese so viel als möglich ohne Vorurtheil, undzwar in zweierlei» Rücksicht; erstlich ohne Vorurtheilfür oder wider die Sache, von welcher das Buch han-delt, zweitens für oder wider den Verfasser desselben.Wer z. B. einmal eine sehr gute Meinung von denTalenten oder von dein Charakter eines Schriftstellershat, giebk leicht allem, was er sagt, unbedingten Beprfall, und wird nicht selten getäuscht. Man vergessewährend des Lesens, wenn cS aus die Untersuchungder Gründe ankommr, wer das Buch geschrieben hat,