Von schriftl. und mündl. Unterricht, r 95
ringeschoben, und hcrnach immer fort fälschlich als Wor-te des Autors abgeschrieben.
4) Viele Handschriften wurden durch die Längeder Zeit unleserlich, wenn entweder die Schrift zu sehrerblaßte, oder das Material des Buchs von Insektenzernagt, durch Fäulniß verdorben, oder durch Feuer halbverzehrt wurde. Dadurch entstanden so manche Lückenin alten Werken, die man aus Mangel anderer Exem-plare nicht wieder ausfüllen konnte: einzelne Worte, dieman nicht mehr lesen konnte, wurden nach Gutdünkenmit andern vertauscht, oder ganz ausgelassen.
Endlich-ist auch gewiß, daß viele Stellen mitVorsatz eingeschoben, ganze Bücher einem Schriftstellerfälschlich zugeschrieben, manche Sähe weggelassen, mixandern vertauscht, oder verfälscht, ganze Bücher auSder Reihe der andern vertilgt wurden. Leidenschaftenund Vorurtheile hatten die meiste Schuld daran WaS»er Meinung einer religiösen oder politischen Sekte zu-wider zu se»n schien, wurde auSgemerzt, die Schriften derfreimüthigen Tadler der Tyrannen wurden verstümmelt,was zu kühn ausgedrückl schien, wurde im Ausdruckegemildert u. s. w. Dagegen wurde dem Autor mancherGedanke untergeschoben, der zum Deweiße für eine gewis-se Meinung gelten konnte, oder ein ganzes Buch vonneuerer Hand wurde einem berühmten Alten beygelegt,weil man ein gewisses Interesse dabey fand, etwas füralt und für ein Produkt eines berühmten Manne- geltenzu lassen, was es nicht war.
Wer diese Ursachen der Verfälschungen vor Augenhat, und genau kennt, wird darnach manche verdächti-ge Stellen prüfen, berichtigen, oder gar wegwcrfen