Von Vermeidung der Jrrthümer, »LZ
! fen deS Himmels verdienten (wie Hiob, oder die El»
I lern des Taubstummen zu Christi Zeiten). — Am
> häufigsten wird da- Unheil über den Charakter eine-i andern nach seinem Betragen gegen den Urtheilenderr
bestimmt; daß dieses oft bloS ein Vorurtheil seynwerde, ist offenbar. Wenn man z. B. den verschlaf»senen Mann für bösartig oder einfältig, den kriechen»den Schmeichler für edeldenkend und verständig hält,(weil er Guts von uns sagt), den, der die Fehler de-andern freymüthig tadelt, für unverständig oder nieder»trächtig, den standhaften Vertheidiger seiner Meinung! für eigensinnig, den nachgebenden und friedfertigenMann für furchtsam u. d. gl. hält. Wie oft sind sol«che Urtheile irrig! Aehnliche schiefe Urtheile über ande»re fließen öfters aus unrichtiger Anwendung mancheran sich richtiger ErfqhrungSregeln, daß man von demAeussern, aus den Gesichtszügen, Gang, Art des Aus»drucks, Betragen in Gesellschaften re. auf das Innereschliefen könne. Denn ohne gehörige Vorsicht und beydem Mangel an humaner Denkungsart werden nachtrüglichen Kennzeichen sehr oft harte und ungerechteUrtheile über den Nebenmenschen gefällt. Wer z. D.bey dem ersten Blicke etwas Gefälliges oder Widrigeszeigt, wird für verständig, brav, klug, oder für einsfällig und fchlechtdenkend gehalten. — Oft wird Ere^ fahrung höher geschätzt als Verstand, der Rath einesjungen Mannes verworfen, wenn er auch besser ist,als der eines Alten, weil der letztere länger gelebt har:oft wird der gemeine Menschenverstand zum Richter
> in Untersuchungen angenommen, welche ohne tiefeKennmiss« und Speculation nicht beendigt werden kön»