Druckschrift 
Erste Grundlinien der Logik
Entstehung
Seite
125
Einzelbild herunterladen
 

»

Von Vermeidung der Jrrthümer. 125

kleiner Schnaken herausflog, die sich an dem Tage vor«her, da es offen da stand, hinein gesetzt hatten.

Die Grundregel, worauf die Zuverlässigkeit dersinnlichen Kenntnis; beruhet, bestehet darin, daß mandas für wirklich halten soll, was man mit gesundenSinnen, aus dem gehörigen Standorte, und zwareben so, wie andere gesunde und aufmerksame Bcobachrter, wahrgenommen hat. Nach dieser Regel läßt sichleicht bestimmen, in wie fern wir einzelnen Empsindunrgen trauen dürfen. Gesetzt, es nimmt einer etwaswahr, was sonst niemand hört oder siehst, so liegt dieUrsache wahrscheinlich in der unrichtigen Beschaffenheitder Organe. Daher nehme man bey ungewöhnlichenund sonderbaren Wahrnehmungen zuerst auf den Zu-stand der Sinnwerkzcuge und des ganzen NervensystemsRücksicht, um sich zu überzeugen, ob das Objektivevielleicht blos subjektiver Schein war. Wenn einesinnliche Wahrnehmung andern ausgemachten Wahrhei«ten widerspricht, so ist dieses ein gewisses Merkmal desfalschen Scheins: z. B. wenn jemand einen Menschen,von dem er gewiß weiß, daß er todr ist, lebendig vorsich z» sehen glaubt, oder wenn jemand wähnt, er habeein Thier vernünftig reden hören.

Alle Beobachtungen, an welchen etwas gelegen ist,müssen wo möglich mehrmals wiederholt, und mit dergrößten Aufmerksamkeit betrachtet werden. Was mandas erstemal nicht entdeckt, wird sich vielleicht in derFolge offenbaren. Nur durch diese fortgesetzte Unter-suchungen vermeidet man die sonst gewöhnlichen Täil«schungen. Auch die Übereinstimmung mehrererMensche» über eine und dieselbe Sache sichert davor.