Von Vermeidung der Jrrthümer. iry
Einfluß der Einbildungskraft u. d. gl. eine Vorstellungvon einem Objekt entsteht, die nicht damit überein»stimmt, so ist dieses ein Schein. An sich ist ernoch kein Irrihum zu nennen, so lange der Verstandkeine falsche Schlüsse daraus zieht. OeflerS ist derSchein unvermeidlich, weil er von der Beschaffenheitder Organe, von der Lage deS Objekts gegen den be»obachkenden Menschen u. d. gl. abhängt. Wenn sichaber der Verstand durch diesen Schein verleiten läßt,eine unrichtige Vorstellung für eine richtige zu halten,so irret er. Irrthum kann z. B. enlstehen, wenndas Auge von verschiedenen Dingen auf gleiche Artafficirt wird, und man diese verschiedenen Ursachenfür einerley hält; oder wenn man eine Vorstellung,die blvs in der Phantasie lag, für eine wirkliche Em»pfindung hält; oder wenn man aus Furcht, heftigerBegierde, Eigendünkel u. d. gl. etwas blos Eingrbil»deleS für etwas Wirkliches hält; oder wenn aus Man»gel an Aufmerksamkeit etwas falsch aufgefaßt wird u.s. w. Daher ist jeder Zrrthum ein durcheinen gewissen Schein veranlaßteS fal«scheS Urtheil, welches für ein wahres ge»halten wird. Z B« wem, man fälschlich glaubt,daß die Sonne bei- ihrem Aufgang und Untergangwirklich größer sei), als wenn sie höher am Himmelsteht, weil sie im erstem Falle größer zu seyn scheint,als im letztem — oder wenn der Kranke in den Spei»sen selbst die Ursache des Uebelgeschmacks sucht, da derGrund von dem unangenehmen Geschmack, den er beydem Essen empfindet, in der Verdorbenheit seiner Or<gone lag, — oder wenn man aus zu großer Zuneigung