94 Von den verschiedenen Graden
len Gründen dafür erkannt werden. Daß die Sonnedie Erde erleuchtet und erwärmt, daß der Mond ab»wechselnd in einer gewissen Zeit zu und abnimmt, sindempirisch evidente Wahrheiten. Was aus rationalenGründen evident seyn soll, muß so klar seyn, daß eskeines Beweises bedarf, daß alle Menschen darübereinig sind, sobald sie die Ausdrücke verstanden haben,daß kein Räsonnement die Nichtigkeit desselben weiteraufzuhellen vermag. Ein solcher Satz dient als Grund-satz oder Princip für andere Wahrheiten, und wird alsetwas an sich Gewisses angesehen. Als Beyspiele ge-hören hieher die Grundsähe des Naturrechts, der Mo-ral, der Mathematik, des Denkens überhaupt (jedeWirkung muß ihre Ursache haben, jede Größe ist sichselbst gleich, was denkbar seyn soll, darf sich nicht wi-dersprechen, u. d. gl.).
Wahrheiten, die an sich nicht unmittelbar gewißsind, heißen nicht evidente: sie müssen aus an-dern Gründen gefolgert oder bewiesen werden. ( Vonden Regeln des Beweises siche den folgenden Ab-schnitt. )
In Ansehung des Verhältnisses, das ein Erkennt«niß zum ErkenNtnißvermögen hat, wird der Grad desFürwahrhalkenS (oder der Grad der Gewißheit, mitwelcher man von der Wahrheit eines Satzes sich über-zeugen kann) seiner Größe nach bestimmt. Diesersubjektive Grad der Gewißheit heißt auch subjekti-ve Wahrheit. Anders ist diese Ueberzeugung beschaf-fen, wenn ich bloS meine, daß etwas so oder andersfey, wenn auf der einen Seite Gründe dafür, aufder andern Zweifel dagegen starr finden — anders,