316 Münzwesen.
Endlich bleibt, in Bezug auf die Zollvereinsstaaten und das von ihnen angenom-mene Münzsystem, noch die Frage übrig, welchen Einfluß eine etwaige Vermehrung desPapiergeldes oder der Banknoten in denselben in dieser Beziehung Hervorbringen könne.Gegenwärtig laufen in Preußen die von ihm ausgegebenen 26 Millionen Thaler Tresor-scheine , in Sachsen 2H Million Thaler Eassenbillets in Papiergelde um. An fundirtenPapieren laufen in Sachsen für 500,000 Thaler Leipzig-Dresdner Eisenbahnscheine um,die Leipziger Bank hatte, weil sie Noten unter 20 Thaler nicht ausgeben darf und dieserBetrag für ihre Verhältnisse viel zu hoch ist, im Jahre 1840 nur 600,000 Thaler an No-ten ausgegeben und die Emissionen der baierischen Bank waren ebenfalls nicht beträchtlich.Eigentliches Papiergeld besteht in den süddeutschen Staaten nicht. Im Ganzen ist daherdie Masse des circulirenden fundirten und unfundirten Papiergeldes in den Vereinsstaatennicht beträchtlich. Auch stellt sich nirgends ein bemerkbarer Ueberschuß, sondern eher einfühlbarer Mangel daran heraus, und es werden, vorzüglich in den mehr der Industrie zu-gewendeten Staaten, häufig größere Emissionen gewünscht, während von anderen Seitenher hinwiederum Besorgnisse entstehen und ausgesprochen werden, es möchten durch eine zugroße Vermehrung dieser Circulationsmittel Unordnungen entstehen, oder sie möchte, wiein einem übrigens sehr gründlichen Aufsatze in Heft 1 der Deutschen Vierteljahresschrift,Jahrgang 1840. S. 362 behauptet wird, eine Entwertung der Silbermünzen ver-ursachen.
Darüber, daß zu große Papieremissionen zuletzt Unordnungen im Münzwesen her-beiführen müssen, kann nicht der geringste Zweifel obwalten, denn die Geschichte hat esvielfach bewiesen. Sie beweist aber eben immer nur, daß zu große Papieremissionenu) das umlaufende Metallgeld aus dem Umlaufe vertreiben und b) zuletzt mit der Ent-wertung des P apie rgeld e s endigen. Eine dadurch herbeigeführte Entwertung desMetall-Geldes ist nirgends bei solchen Krisen zu bemerken gewesen, und es läßt sichauch in der Natur und den Wirkungen des Papiergeldes irgend ein Anlaß dazu nichtwahrnehmen. Deshalb besorgen wir von dieser Seite her keinen Nachtheil für dasMetall-Münzwesen, obwohl für das Münzwesen im Allgemeinen aus der zu großenVermehrung des Papiergeldes, oder selbst aus einer das richtige Verhältniß zu den deponir-tenbaaren Fonds überschreitenden Banknotenemission große Nachtheile entstehen können.
Freilich wird der zunehmende Verkehr auch in den Zolloereinsstaaten, wie dieses inallen übrigen Staaten, in denen Handel und Gewerbe größere Fortschritte gemacht haben,bereits geschehen ist, die Einführung eines allgemeineren Banksystems nach und nach im-mer dringlicher erheischen, und man wird sich diesen Anforderungen schließlich nicht längerwidersetzen können. Indessen ist in dem überall Ziel und Maß haltenden Deutschlandvon dieser Seite her, wie schon die Organisation der baierischen Nationalbank, der preu-ßischen Bank und selbst der Leipziger Bank beweist, eine Überschreitung desselben wenigerals irgendwo anders zu befürchten.
Ungleich größere Bedenklichkeiten haben die Emissionen des eigentlichen Papiergel-des. Indessen ist man auch darüber gegenwärtig zu so richtigen Ansichten gelangt, daßwir uns der Hoffnung hingeben dürfen, so lange der Friedenszustand dauert, Ziel undMaß auch in dieser Hinsicht nicht überschritten zu sehen. Gegenwärtig wenigstens sindwir noch weit von der gefährlichen Gränze entfernt, und es könnten sogar, unserem Da-fürhalten nach, noch weitere Papiergeldemissionen ohne Gefahr und unter Umständen sogarmit Nutzen stattsinden. Was ein Krieg und der damit vielleicht eintretende Nothstandherbeiführen können, muß, als außer der Regel liegend und ungewiß, hier von der Berech-nung ausgeschlossen bleiben.
Soviel über das Münzwesen der Zollvereinsstaaten, über seinen gegenwärtigenStandpunkt und über seine Zukunft.
Wir haben uns dabei auf das nach den eben gegebenen Verhältnissen leichter Erreich-bare beschränkt und müssen daher zu einigen Betrachtungen über das Münzwesen im Allge-meinen und über die in Frage befangenen Vorschläge zu einer radikalen Umänderung des-selben, wie sie in England und Deutschland gemacht worden sind, übergehen, welche wirin die Betrachtung des Münzwesens der Aollvereinsstaaten nicht verflechten konnten, da