310 Münzwesen.
ein Mindergewicht von weit mehr als 1 Million Pfund erzielt und das Silbergeld imAllgemeinen zu Versendungen tauglicher gemacht. Allerdings werden dazu Opfer erfor-dert; indessen wird man sich zuletzt wenigstens zu einer Umprägung entschließen müssen,wenn nicht wieder neue Münzunordnungen eintreten sollen, und die zu bringenden Opferwerden natürlich um so geringer sein, je eher man sich zu der Operation entschließt, wäh- ^rend sie, wegen der fortgehenden Abnutzung, um so höher steigen müssen, je langer mansie verschiebt.
Früher glaubte man allerdings in der stärkeren Legirung auch einigen Schutz gegendie geschwindere Abnutzung der Münzen gefunden zu haben, allein auch hierin folgte man Ieiner falschen Ansicht. Indem man den Silbermünzen, auch wenn sie stark legirt sind, sdurch das Weißsieden den Kupferzusatz auf der Oberfläche entzieht, erhalten dieselben aufder Oberfläche einen dünnen Ueberzug von ganz feinem Silber und werden daher völligeben so abgenutzt, als wenn sie aus ganz feinem Silber geprägt wären. Ihr Feingehaltwird also anfänglich in weit stärkerem Grade abgenutzt, als dieses, wenn die Legirunggleichmäßig vertheilt wäre, der Fall sein würde, da sie zu diesem Zeitpunkte noch garkeinen Schutz dagegen gewährt. Au 8 löthigen Silbermünzen muß daher löthigesSilber genommen und an der Masse so viel zugesetzt werden, als sie durch das Weiß- >sieden verlieren.
Nach dieser Operation haben die Münzen einen inneren Gehalt von 7H Loch Sil-ber und auf der Oberfläche eine dünne Platte von nicht ganz A Loth ganz feinen Silbers,indem sich bei dem Weißsieden, außer den Kupfertheilchen, auch schon einzelne Silber-theilchen mit ablösen. Hat sich nun diese Platts bei dem — hauptsächlich durch die bei sdem Glühen und Strecken der Zaine eintretende Oxydation des Kupferzusatzes auf derOberfläche bedingten— Weißsieden endlich gebildet und wird sie dann abgenutzt, so hatdie Münze zwar nur ^ Loth, oder 2 Gran, am Gewichte verloren, aber der Verlustbeträgt, weil blos feines Silber abgenutzt worden ist, bei der Mark von 288 Grän, nichtblos^z, sondern 7 ^ oder mehr als I^Proc., und die Münzstücke sind nur noch 7H llöthig. Dann aber erfolgt, wenigstens bei stärkerer Legirung, die Abnutzung wiederum sschneller, weil der stärkere Zusatz die Oxydation erleichtert und durch dieselbe hinwiederumeine stärkere Abnutzung herbeigeführt wird.
Es ist weiter, sobald die Legirung 8 Loth überschreitet, zu bemerken, daß dieKupfermasse dann eine Art von Uebergewicht erlangt, vermöge dessen sie, weil ihre Theil-chen unter einander selbst eine größere Cohärenz haben, als die ist, welche zwischen ihnenund den mit ihnen vermischten Silbertheilchen stattsindet, sich mehr in der Mitte zusam-menzieht und eine, verhältnißmäßig größere Menge der letzteren nach Außen hin treibt.
Die gemischte Masse verliert dann die Gleichmäßigkeit in der Masse so, daß sich an denGränzen derselben, oder an der Außenseite, verhältnißmäßig mehr Silbertheilchen befin-den als in der Mitte. Da nun jene es sind, welche von der Abnutzung allein betroffenwerden, so geschieht auch auf solche Weise, daß dieselbe nicht nach dem Gewichte alleinbemessen werden kann und daß sie in Bezug auf das Silber und den in der Münze ent-haltenen Feingehalt stärker ist, als man nach dem Gewichte und bei gleichmäßigerMischung annehmen kann.
Aus diesen aus dem heutigen Standpunkte der Chemie beruhenden Thatsachenergiebt sich, daß eine stärkere Legirung die Abnutzung, die sie, nach der früheren Mei- i
nung, verhindern sollte, vielmehr befördert, und der Welthandel bringt bereits den t
Abgang am Korne durch Abreibung der feinern Oberfläche, noch ehe diese erfolgt ist, inAbrechnung und schätzt 13^löthige Conventionsthaler nur auf 13^ löthig, und 9^löthig« Zwanzigkceuzer nur auf 9^ löthig, wodurch bei jenen ^ Proc., bei diesen F Proc.in der Schätzung schon in dem Augenblicke verloren gehen, wenn sie aus der Münzstättekommen, obgleich ein Theil dieser Kürzung auch auf die Abrechnung des halben Reme-diums kommt. Stellt sich nun aus diesen Bemerkungen heraus, daß die früheren An-sichten über die Vortheile einer stärkeren Legirung nicht gegründet sind, und hat sich dieaus dem Kostenpunkte früher entstehende Schwierigkeit, von einer stärkeren Legirung derMünzmasse zu einer schwächeren überzugehen, durch die Fortschritte in der Chemie eben-