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Idee».
Verkehr; und wer mit Erfolg für die Freiheit der Presse gegen Censur gekämpft hat, derhat auch den Überzeugungen, die sich früher nicht aussprechen, ja nicht einmal ausbil-den konnten, einen äußeren Wirkungskreis geschaffen, der in die materielle Pro-duction und Consumtion vielfach eingreift. Das Einzelleben hat seine Zeit des Wachensund des Schlafens, des überwiegend sinnlichen oder geistigen Schaffens und Genießens.Ein ähnlicher periodischer Wechsel findet bei den Völkern Statt, so daß ihre Kräfte, dieerst eine Zeit lang in ungewöhnlich höherem Grade schaffend und zerstörend für die Zweckedes Geistes thätig waren, nun wieder von der materiellen Welt gebieterisch ange-zogen werden. Allein dieses ist noch an sich kein Zeichen einer Ermattung des Geistesder Nationen, solange diese nach den allgemeinen Bedingungen des Völkerlebensüberhaupt noch im Wachsen begriffen sind. Es ist nur eine veränderte Richtung der Be-wegung, eine andere Form der Hebung und Stärkung ihrer intellectuellen Kräfte, welche,aus einen höheren Punkt der Ausbildung gelangt, mit gewaltigerer Wirkung für die gei-stigen Interessen, sobald die Stunde ihres Erwachens von Neuem geschlagen hat, aufdem Kampfplatze wieder erscheinen werden. Nur so erklärt es sich — denn der äußereFunke, der die Geister und Herzen entzündet, setzt ja ihre nur zeitweise gebundeneWarme voraus — daß bei ganzen Nationen alles Interesse für das Gemeinwesen völligschlummert; daß sie blos particulären Interessen, einem zersetzenden und absonderndenMaterialismus verfallen sind, und daß sie nun fast plötzlich vom Enthusiasmus für dieIdee der Freiheit und von hingebender Vaterlandsliebe ergriffen werden. Wir sahen die-ses in Frankreich zur Zeit der Revolution, in Deutschland während der Kriege gegen Frank-reich; und wir gewahren überall, daß sich endlich der Materialismus, wie der Idealis-mus, auf eine Spitze treibt, wo er sich selbst vernichtet. Darum soll man aber, wie eshäufig geschieht, das materi elle Interesse noch keineswegs für identisch mit dem egoi-stischen Interesse nehmen. Der Egoismus, als Sünde im Menschen gedacht, setztvoraus, daß mit Bewußtsein ein allgemeineres Interesse einem particulären unter-geordnet wird. Er kann also eben sowohl in die Verfolgung ideeller Interessen eintreten,wo er etwa als Ehrgeiz, Anmaßung, Hochmuts), Eitelkeit und in tausend anderen For-men sich offenbart, als nach der materiellen Seite des Lebens hin sich kund thun, wo erin dem rücksichtslosen Streben nach sinnlichen Genüssen oder nach körperlichem Be-sitze sich äußern wird.
Mit Rücksicht auf diese Unterscheidungen tritt uns deutlicher vor Augen, in wel-chem Sinne man jene Behauptungen zu nehmen hat, womit man den besonderen Cha-rakter unserer Zeit darstellen zu können glaubt. Im besonderen Gegensätze gegen diePeriode politischer Aufregung nach dem Jahre 1830 hörte man später häufig wiederholen,daß das politische Interesse verschwunden sei, daß die materiellen gegen die ideellen Inter-essen überwiegen. Mit der Julirevolution hatte sich wieder einmal die Macht eines Na-tionalgeistes in einer jener plötzlichen Bewegungen offenbart, die im Völkerleben eben so-wohl von Zeit zu Zeit wiederkehren, als selbst in die nüchternste Prosa des Einzellebenszuweilen Momente eingreifen, worin die nach beschränkten Ideen herkömmlich verfolgtenSonderinteressen einem umfassenderen und allgemeineren Interesse zeitweise weichen.Der elektrische Funke schlug durch die ganze Kette der europäischen Nationen, welchedurch den stillen Gang der vorgängigen Ereignisse in engere Verbindung als je zuvorgesetzt waren. Eine große politische Thatsach e hatte so die politischen Ideen undInteressen, aber freilich mit einem bunten Schweife von egoistischen Tendenzen und Son-derinteressen, in den Vordergrund der Weltgeschichte gedrängt, wo sie, in der Mannig-faltigkeit ihrer Richtungen sich durchkreuzend, zu den gerade erreichbaren Wirkungen sichneutralisirten. Da man sich endlich, hier früher, dort später, eingestehen mußte, daßauf dem Felde der Politik errungen war, was im gemeinsamen Streben und Gsgenstre-ben der Parteien errungen werden konnte, so zerstreuten sich wieder dahin und dorthin diepolitisch angeregten Massen. Einzelne ließen sich fortan ausschließender von den Inter-essen der Wissenschaft und Kunst anziehen, ohne noch eine nähere und unmittelbare Be-ziehung auf diepolitischen Zustände festzuhalten. Weitaus die größere Menge, wiees wenigstens auf dem jetzigen Standpunkte der Organisation der Arbeit nicht anders seinStaat-- Lerikon. VII. 23