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Ideen.
das Interesse, aber zugleich die Ansicht, und diese hat also mit jenem eine gleichlaufend«Entwickelung. Aber diese Entwickelung ist nicht blos eine gleichzeitige, sondern aucheine in einander greifende. Sehen doch Neigung und Liebe die Dinge in einem anderenLichte als Abneigung und Haß, und wird doch Neigung und Abneigung erzeugt je nachden Ansichten, die wir uns gebildet haben. Was im Einzelnen, das gilt auch im Gan-zen und Großen; und namentlich müssen wir hiernach behaupten, daß die Ausbildung derpolitischen Ideen-und Interessen eine sich gegenseitig bedingende und bestimmende ist.Der hier ausgesprochene Gedanke wird selbst im gewöhnlichen Sprachgebrauchs anerkannt.So gilt es für gleichbedeutend, wenn man etwa von der demokratischen Partei in Frank-reich sagt, daß nach ihren politischen Ideen, oder daß nach ihren politischen Inter-essen die Verfassung des Staates diese oder jene Umänderung erleiden soll. Allein un-geachtet dieses unauflöslichen Zusammenhanges muß man dennoch von anderem Stand-punkte aus einen Zwiespalt der politischen Ideen mitIntecessen anerkennen, welche letzterenjedoch in diesem Falle nicht mehr politische genannt werden können. Hat Jemandin dem Staate, dem er angehört, das eine und andere Unvollkommene wahrgenommenund ein Anderes sich gedacht, das füglich an dessen Stelle treten könnte und sollte; hat ersich also das Ideal einer politischen Reform gebildet, so wird er nun die Verwirklichungdesselben wünschen. Aber er wünscht sie nur vom Standpunkte des Staates selbst ausund so weit er Selbstverleugnung genug besitzt, sich mit der Gesammtheit gleichsam zuidentisiciren. Er ist indessen nicht blos integrirendes Glied der politischen Gesammtheit,sondern zugleich Individuum und Mitglied einer besonderen Familie; und so kann dennauch das persönliche und das Familieninteresse mit seinen politischen Ideen und Inter-essen in Zwiespalt kommen und über diese ein Uebergewicht erlangen. Damit entsteht derGegensatz und Widerspruch des engeren Interesses mit dem Gemein sinne und mitder ein höheres Ganzes umfassenden Idee. Gerade in dieser engeren Bedeutung undals das eine Glied eines solchen Gegensatzes wird der Ausdruck „Interesse" häufig ge-braucht , wie z. B. in der Behauptung, daß da oder dort nicht aus Ueberzeugung, sondernaus Interesse gehandelt worden sei. Wie nun aller Zwiespalt Schwäche erzeugt, sogeht auch aus solchem inneren Widerspruche eine Schwäche des politischen Charak-ters hervor; während sich in der Uebereinsiimmung der politischen Ideen und Interessenmit der ganzen äußeren politischen Thätigkeit, die sich durch keine fremdartige Rücksicht ir-ren und abbeugen läßt, der feste politische Charakter offenbart.
Handelt es sich nun um die Ausführung irgend eines politischen Ideals in diesemoder jenem Staate, so wird vorausgesetzt, daß dafür eine hinreichende Macht gewon-nen werde; daß sich diese also dieselben politischen Ideen zu eigen mache und daß dasInteresse ihrer Verwirklichung lebhaft genug werde, um jedes widerstreitende mit Erfolgniederzuhalten. Aber die politischen Hdeen und Interessen der Völker haben ihren gesetz-mäßigen und bestimmten Gang der Entwickelung; und wenn auch die bloße Offenbarungirgend eines politischen Ideals als ein neues Moment in diesen Gang der Entwickelungmitbestimmend eingreift, so bleibt seine Verwirklichung doch immer dadurch bedingt,daß die gerade lebendig wirkenden Ideen und Interessen in dieses Ideal und in das In-teresse seiner Verwirklichung übergehen und übergehen können. Denn nur das Leben-dige erzeugt das Lebendige, ein Jegliches nach seiner besonderen Art und Weise. Sokann auch nur das Volksleben das Volksleben erzeugen, und so wird auch der Ein-zelne an diesem fortlaufenden Acte der Erzeugung nur so weit fruchtbaren Antheil haben,als er seinen Geist zum Geiste seines Volkes zu erweitern versteht, als er die herrschen-den Ideen und Interessen erkennt und von diesem Standpunkte aus von Innen nachAußen in die Entwickelung eingreift. Es ist eben so vergebens, den Chinesen die Vor-züge der nordamerikanischen Freiheit zu predigen, als den Nordamerikanern den patriar-chalischen Despotismus der Chinesen annehmbar machen zu wollen. Wer den Marsch ei-nes Heeres leitet, stellt sich in die Colonnen oder doch nahe genug an ihre Spitze, um ih-nen seinen Willen verkünden und ihn zu dem ihrigen machen zu können. Er stellt sichaber nicht fernab vom Wege in ein Thal oder auf einen Berg, von dem aus seine Stimmeverhallt. Und so wird auch der Politiker, der sich auf isvlirende Höhe in die dünne Luft