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Idee«.
werden können. In der neueren Zeit brauchte aber besonders die Leibnitz-WolfffcheSchule das Wort ganz allgemein für alle und jede Vorstellungen. Hiermit näherte sich >
die Bedeutung des Wortes wieder der ursprünglich griechischen, und so wurde und wird es j
noch jetzt bei allen germanischen und romanischen Nationen sowohl in der gewöhnlichenSprache des Umganges als in derjenigen der Schrift gebraucht. In diesem Sinneist von den politischen Ideen einer Zeit oder eines Volkes die Rede, so daß man dar-unter alle auf den Staat und seine Gliederung, sein Leben und seine Zwecke bezüglichenVorstellungen, Begriffe und Meinungen versteht, wiesle gerade in d i eser Zeit oder beidiesem Volke entwickelt sind. Und ganz in demselben allgemeinen Sinne sprechen iwir von den herrschenden politischen Ideen einer Zeit oder eines Staates; von einem >Uebergewichte der demokratischen oder aristokratischen oder monarchischen Ideen u. s. w. ,
Im Gegensätze mit diesem herkömmlichen Sprachgebrauch« suchte nun die kritische Philo-sophie dieJdeen als eine eigenthümliche Art von Vorstellungen herauszuheben und bezeich-nte damit die von der Vernunft gebildeten Vorstellungen eines Unbedingten, Unbegrenz-ten, Unendlichen, das kein Raum und keine Zeit ganz faßt und das, über alle sinnlicheWahrnehmung erhaben, weder in einer Anschauung noch in einem Verstandesbegriffegeistig erfaßt, noch überhaupt durch eine Erscheinung vollständig dargestellt werden kann. 'Endlich construirte die neueste Hegel'sche Philosophie die Idee als die ganze an sichund für sich seiende Wahrheit, als das Absolute. Schon-die kritische Philosophiewar indeß gedrungen, die Ideen in sogenannte reine und empirische zu zerfallen.
Sie glaubte hiernach die reinen Ideen, wohin sie die der Gottheit, Unsterblichkeit,Freiheit u. s. w. zahlt, als solche bezeichnen zu können, die frei von allen erfahrungsma-ßigen Bestimmungen gedacht werden; während den empirischen, wie den Ideen desOrganismus, des Staats u. s. w., noch etwas aus der Erfahrung Entlehntes beige- ^mischt sein soll. Allein diese sogenannten reinen Ideen sind in dieser Reinheit nur einVerneinendes, eine bloße Abweisung jedes best! mm t en Inhalts. Um ein wirklichesDasein im Geiste zu haben, müssen sie erst etwas Positives werden, womit sie aber zu- ,gleich in das Gebiet der Erscheinungen und Erfahrungen eintreten. So existirt in Wahr-heit keine Idee von Gott, Unsterblichkeit u. s. w., ohne einen positiv religiösen, keineIdee von Staat, Gerechtigkeit, Freiheit, ohne einen positiv rechtlichen Inhalt; wennauch immerhin die Gestaltung dieser Ideen in dem einen oder anderen Individuum, oderdas individuelle Ideal, ein Anderes ist als die positive Religion, worin wir etwaerzogen sind, oder als der Staat, worin wir leben, oder welcher irgendwo besteht. Da-rum faßt die neueste Philosophie die allgemeine oder absolute Idee als einen unendlichenProceß auf, wodurch sie, in das Dasein tretend, zur bestimmten Idee wird.Sprechen wir nun von politischen Ideen, so können wir bei diesem Hervorheben seiner besonderen Art und bei dieser Hinweisung aus eine Vielheit und Mannigfaltigkeitnur an bestimmte Ideen denken, denen wir eine Beziehung auf gewisse Räume undZeiten geben. Dieses geschieht eben sowohl in dem Ausdrucke „die politischen Ideen allerVölker und Zeiten", weil hier doch immer die Erde und die Dauer des Menschengeschlech-tes als das räumlich und zeitlich Bedingende hinzugedacht oder vorausgesetzt werden, alsin dem Ausdrucke „die politischen Ideen dieses Volkes, dieser Periode" u. dergl.
Allein bei solcher Beziehung auf Raum und Zeit sind die politischen Ideen nichts Anderesals der in gewisse Vorstellungen, Begriffe und Meinungen über den Staat, sein Lebenund seine Zwecke wirklich ausgeprägte Menschengeist. Und so werden wir denn doch so-wohl für alle politische Praxis als für die politischen Wissenschaften auf den gewöhnlichen iSprachgebrauch zurückgewiesen, wie sich diesen nicht sowohl die Philosophie einer besonde-ren Schule als vielmehr die Philosophie der Nationen selbst, nach einem im Leben überallhervortretenden geistigen Bedürfnisse, geschaffen oder angeeignet hat *).
Die umfassendste Thatsache der Politik ist die Erscheinung des Staates,
*) Zu vergl. Krug's allg. Handwörterbuch der philos. Wissenschaften Bd. II. S. 428und folg. I. H. Fichte, Beitrage zur Charakteristik der neueren Philosophie zu Vermit-telung ihrer Gegensätze S. 363 u. flg.