Druckschrift 
7 (1847) [Hex - Jus]
Entstehung
Seite
346
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346 Hansa.

gemerzt) es ist an dem, daß kurzsichtiger Egoismus, Schlaffheit zur Anstrengung, Un-geneigtheit zu Opfern, Scheu vor jeder Aenderung das Ihrige gethan haben. Die Neuheitder Sache kam hinzu und weckte Bedenken; die oftmals getäuschten Vorherverkündigungenrächten sich durch nachhaltiges Mistrauen. Indessen haben die Meinungen Zeit gehabt,sich abzuklären, und es wird vergönnt sein, ein Glaubensbekenntniß, das wir anderwärtsmotivirt und entwickelt haben, hier zum Schluß mindestens anzudeuten.

Deutschland muß darnach streben, dem Ausland gegenüber als ein selbstständigesund einheitliches Handels- und Schifffahrtsgebiet sich darzustellen. Die Schmach derTrennung muß überwunden, die Ungunst, die uns jeder, auch der kleinste auswärtigeStaat zu bieten wagt, muß durch vereintes und kräftiges Handeln abgewehrt und ausge-glichen werden.

Es ist dies ein nationaler Zweck und für die politische Entwicklung der Nation ebensowichtig wie für die commercielle. Zu diesem Zweck mitzuwirken und demselben auchihrerseits Opfer zu bringen (denn ohne Opfer kann es bei dem Aufgeben auch nur einesTheils ihrer Einrichtungen nicht abgehen), das ist für die Hansestädte eine vaterländischePflicht.

Aber die Hansestädte, sowie jeder der deutschen Staaten, haben ein Recht, zu fragen,ob ihr Anschluß an den Zollverein eine Bürgschaft dafür giebt, daß der Zollvereinjenen nationalen Zweck mit den geeigneten Mitteln erstreben wird, und ob ihr Anschluß anden Vereinszoll erforderlich ist, um den Zweck zu erreichen.

Was die Bürgschaft anlangt, so ist die bisherige auswärtigePolitik des Zoll-vereins keineswegs geeignet, die Ueberzeugung zu geben, daß der ernste Wille vorhandensei, eine nationale Handels- und Schifffahrtspolitik durchzuführen. Die Leitung desZollvereins ist in einem bedenklichen Schwanken begriffen, zwischen zwei entgegengesetztenPrincipien; unter den Behörden in Berlin ist ein Zwiespalt, und es ist diesen Augenblicknoch nicht mit einiger Bestimmtheit vorherzusehen, welche von beiden Parteien den Siegdavon tragen wird. Es sind dies Klagen, die nicht allein von der hanseatischen, sondernvon einem bedeutenden und nicht dem am wenigsten angesehenen Theil der deutschenPresse erhoben werden.

Die bisherige Verfassung des Zollvereins ist nichts weniger als geeignet, für dieLeitung seiner Politik das Vertrauen der Nation zu gewinnen.Der rein diploma-tische, aller Oeffentlichkeit entrückte Charakter der Zollvereinstage, der büreaukra-tische, dem directen Einfluß der Volksvertretung fremde Charakter der vorbereitendenVerhandlungen, das einer Reihe von Regierungen formell eingeräumte Veto, dasdennoch im Machtverhältniß that sächlich begründete Vorwiegen Preußens, die derletzteren Regierung ausschließlich überlassene diplomatische Vertretung des Zollvereins:dies sind so viele Uebelstände, welche auch von der öffentlichen Meinung im Zollvereinselbst als solche anerkannt werden."

Die Handelspolitik muß nicht als die Sache der Cabinete, nicht als die Sache derBüceaukratie eines einzelnen oder aller deutschen Staaten, sondern als die Angelegenheitder Nation aufgefaßt werden. Der parlamentarische Weg der Berathung ist der ein-zige, der für Deutschland, wie für andere Reiche, auch in dieser Beziehung zu einem ge-deihlichen Ergebniß führen kann. Eine deutsche Nationalvertretungdas Ziel,auf welches immer entschiedener das nicht auf die Dauer zurückzudrängende Verlangen allerdenkenden Deutschen gerichtet ist eine Nationalvertretung wird klüger und patriotischersein als die intelligenteste Büceaukratie. Die Sympathie, welche in allen TheilenDeutschlands der preußischen Volksvertretung sich zuwendet, ist als der Ausdruck derUeberzeugung zu betrachten, daß sie der Vorläufer einer deutschen Volksvertretung ist, daßdie constitutivnellen Grundsätze, die nun zum erstenmal, wenn auch nur im Spiegelbild,auf einem größeren Ganzen widerstrahlen, ihren vollen Umfang und ihren rechten Brenn-punkt nicht verfehlen werden, daß die Saat der Zukunft zu reifen beginnt.

Soll aber Nichts geschehen, bis diese Saat gereift, bis Zeit und Stunde erfüllt ist?Das sei fern. Und hier kömmt gar sehr in Betracht, nicht für die Hansestädte allein, son-dern für alle deutsche Staaten, daß alle Zusammenwirken können zu einem