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7 (1847) [Hex - Jus]
Entstehung
Seite
335
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Hansa» 33^

Haupterscheinungen dem Blick des Lesers vorüberführen*). Das sagt sich von selbst,daß die Beziehungen zu den skandinavischen Reichen ganz anders sich gestalteten. Däne-mark sing an, auf Kosten des deutschen Verkehrs den Sundzoll auszubeuten. Wenn esim Odenseer Vergleich (1560) die wendischen Städte privilegirte, so war's eine Gunst,und die Versuche, den Gewichtzoll in einen Stückzoll, das ist, einen Zoll vom Werth derMaaren, umzuwandeln, öffneten der Willkür Thür und Thor. Mit Schweden hatLübeck, getrennt von seinen Bundesgenossen und zu Hamburgs besonderem Verdruß,seinen letzten großen Krieg geführt 15631570, dessen Anlaß mit einer der betrübendstenVeränderungen zusammenhing, nehmlich mit dem Abfall Lieflands vom deutschen Reich.Die Handelscolonieen in Liefland waren ihren Gründern dermaßen entfremdet, daß sienicht allein, mit Umgehung aller Statuten, den Verkehr mit Rußland aus eigene Handtrieben; sondern sie stellten die alten Hansestädte andern Fremden gleich und brachtengegen sie das Statut zur Anwendung, daß Gast mit Gast nicht handeln soll. Als nundas russische Reich, nach Abschüttelung des tartarischen Joches, seiner eigenen Kraft inneward, strebte es nach der Ostseeküste hin, bedrohte und bedrängte die Städte Lieflands,die bei der hansischen Seemacht (der einzigen, welche hätte retten können) aus willigenund herzlichen Beistand nicht mehr zählen dursten. Die Blindheit der hansischen Politik,die noch schmählichere Blindheit und Thatenlosigkeit des deutschen Reiches geht nur zuanschaulich aus diesen Verhandlungen hervor, die wir an einem andern Orte aus archiva-lischen Quellen dargestellt haben. Unbeachtet blieb ein Entwurf (1558), der die Mög-lichkeit nachwies, mit einer Aufwendung von 200,000 Thalecn ganz Liefland für dieHansa zu erobern. Eben so gänzlich in den Wind gesprochen war ein Vorschlag des Kai-sers auf dem Reichstag zu Speier (1570), zur Rettung Lieflands einen Reichsad-miral aufzustellen. Und das zu einer Zeit, als die ganze deutsche und skandinavischeOstseeküste von dem Angstruf widerhallte, derMuskowiter" trachte danach, sich zumHerrn der Ostsee aufzuwerfen. Es ist wahr, erst seit Peter dem Großen reifte die fürDeutschland und für ganz Europa so unsäglich bittere Frucht. Aber, gleichviel zu wessenGunsten zuerst, für Deutschland ging schon damals und in Folge jener Misstimmung und^ Unmacht die deutsche Colonie Liefland verloren.

j Fast gleichzeitig vollzog sich eine andere schwere Veränderung, die uns bald hätte

i bestimmen können, diesem Zeitraum die andere Ueberschrift zu geben: Deutschlandund England im 16. Jahrhundert. Denn zu dem unwürdigen Misverhält-niß, das heute von allen denkenden Deutschen in unfern auswärtigen Handelsbeziehungenso schmerzlich empfunden wird, ist damals der Grund gelegt. Die erste Ursache dieservollständigen Umkehrung des früheren Verhaltens war eine nur zu natürliche Reaction.Täuschen wir uns nicht: von seinen frühern Königen, die unsere deutschen Kaufleute einstso hoch privilegirten, war das englische Volk auf eine empörende Weise preisgegeben worden.Fragt man, wie weit denn wir Deutschen vor den Engländern bevorzugt gewesen, so dientzur vorläufigen Antwort: im Jahr 1551 sind aus England durch die Hansen 44,OOOStückenglische Tücher ausgeführt, von den Engländern selbst nur 1100. Fragt man weiternach dem Grunde, so geben wir ihn an, nicht wie die Beschwerdeschrift irgend eines Eng-^ landers, sondern wie der hansische Syndicus Sudermann ihn darlegt: die Hansen ent-! richteten, ihren Privilegien zufolge, an Ausfuhrzoll für jedes Stück 3 Pfennig Sterling;

^ für Andere, die nicht zur Hansa gehörten, war der Satz für das Stück weißes Tuch 5Schilling 9 Pfennig, gefärbtes 9 Schilling 3 Pfennig. Daß eine so beispiellose Handels-' Politik nicht Bestand haben konnte, ist klar; ebenso, daß man die Hansen nicht schlechterstellen konnte, ohne ihren Privilegien zu nahe zu treten. Also mußte England erst hin-

*) Neben dem 3. Band von Sartorius ist als selbstständige, durchaus quellenmäßigeBearbeitung dieses Zeitraums zu empfehlen: C. C. H. Burmeister: Beiträge zur Gesch.Europas im 16. Jahrhundert, aus den Archiven der Hansestädte (Rostock, 1843). Für dieVerhältnisse mit England ist zu vergleichen die Nr. X1AX. in Mdser's Patriot. Phanta-steen, und LurAon, l-ils uns Illme ol 8ir 1t>o. 6re»llsm (Lonckon, 1839), worin sichNotizen finden, welche Lappenberg dem Biographen aus dem Hamburgischen Archive (vordem Brande!) mitgetheilt.