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Aesthetik.
braucht wird, um die Aufmerksamkeit zu fesseln, dasGemäth anznziehen und zur Annahme eines nützlichenUnterrichts geneigt zu macken, oder um die durch ver-nünftige Gründe und Triebfedern bewirkten Überzeugun-gen und EntichÜessingen blof zu belebe», insofern gehörtsie zu den verschönernden Künsten. <§. ) Wenn sie
aber als eigentliche Rednerkunst betrachtet und an-gewendet wird, um das Gemüth bey wichtigen Angele-genheiten, anstatt es durch Beweise zu überzeugen, oderdurch vernünftige Motive zu lenken, blos zu überre-den und durch sinnliche Darstellung und Rührung'gleich-sam zu überlisten; so steht sie der Dichtkunst weit nach,und verdient unter allen schönen Künsten die wenigsteAchtung.
§. 286.
Obglei.ch der eigentliche unmittelbare Zweckder schönen Künste in der' G cschm a ck s b elusti-gung, vermittelst eines un interessirtenWohlgefallens besteht; so gewahren sie doch,als Mittel, nicht nur die Einbildungskraft, den Witz,die sittlichen und andere Gefühle zu kuttiviren, sondernauch dem Wahren und Guten den Eingang in Ver-stand und Herz ungemein zu erleichtern, einengroßenund vielfachen Nutzen, Die Tugend der reinsten Ach-tung und Liebe, das Laster aber der größten Verab-scheuung würdig darzustcllen, und hierdurch den Cha-rakter sowohl einzelner Menschen, als auch ganzer Na-tionen zu bilden und zu veredeln, dies ist ihr höch-ster Beruf. Wenn sie aber die ihnen eigne sinn-liche Kraft misbrauchen, um der Unsittlichkeit neueverführerische Reize zu leihen; so sinken sie weit unterihre Würde herab. ,