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Taschenbuch zur Philosophie des Lebens, des Umganges und des Lebensgenusses : zur Bildung der Menschheit, vorzüglich aber der reifern Jugend beyder Geschlechter
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90
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Ein schönes Welb fixiert auf eine ange-nehme Weise die Augen, man liebt es,schätzt aber nur das, welches tugendhaftist. Die Jahre machen die Schönheit baldverschwinden, und mit ihr fliehen auch diezärtlichen und lebhaften Gefühle dahin,welche sie erregt. Was bleibt dann der,welche sich nur leere und vorübergehendeHuldigungen erwarb, übrig? FruchtloseReue und traurige Verlassenheit! Die Schön-heit der Seele allein hat das Recht, Be-wunderung und Hochachtung auf immer zufixtren.

Wenn es wahr ist, daß die Schwach-heit die Schüchternheit gebiert, daß dieSchlauheit eine Tochter der Schüchternheitund die Mutter der Falschheit ist, so istdie Wahrheit und Aufrichtigkeit eine anWeibern sehr schätzbare Tugend.

Reinlichkeit an Frauenzimmern ist diePflegmutter der Liebe. Ein Mädchen vonmittelmäßig schöner Gestalt, daß sich aberimmer reinlich kleidet, gefällt mehr als Einesvon ausnehmend schöner Gestalt, das aberim Anzüge nachläßig ist.