h. LS.
Es gibt viele Versuchungen und Anreizungen zur Sünde,aber auch viele Gelegenheiten Gutes zu wirken. Wer auf demWege der Pflicht fortwandeln, und sich zu immer höhererVollkommenheit erheben will, muß die Gefahren, die der Tu-gend drohen, und die Reizungen zum Dosen vermeiden, ermuß, wo er sie nicht vermeiden kann, ihnen mit Kraft begeg-nen, und seine sittliche Triebfeder durch fortgesetzte Ausübungdes Guten immer mehr starken. Ein nothwendiges Mittel dazuist, daß wir die unserer Lugend drohenden Ge-fahren, die Lockungen zur Sünde, so wie dieverschiedenen Gelegenheiten Gutes zu üben,kennen. Die Reizungen zur Sünde, die theils in unsereneigenen Neigungen und Begierden- theils in den Reden undHandlungen anderer Menschen, sowie in äußeren Gegenstän-den und in unseren individuellen Verhältnissen ihren Grundhaben können, sind äußerst verschieden. Unsere Aufmerksamkeitmuß nun darauf gerichtet seyn, sie überhaupt, und dann ins-besondere den Grad ihrer Gefährlichkeit für uns, der nachVerschiedenheit unseres Alters, unseres Temperaments, un-seres Charakters und unserer Umstände verschieden ist, kennenzu lernen. Durch diese Kenntniß und die daraus entspringendeWachsamkeit und Vorsicht, mit der wir die Wirkung jenerReizungen verhindern, und ihren gegen unsere Tugend gerich-teten Angriffen begegnen, wird unsere Sittlichkeit gesichert.Die Ergreifung und Benützung jeder Gelegenheit Gutes zuüben, die oft so schnell verschwindet und nicht wiederkehrt,wird dagegen unsere Moralität befördern, und sie für uns undandere fruchtbringend machen.
§. 64 .
Die Religion besteht in dem Glauben, daß das vonder Vernunft aufgestellte, jedem Menschen als unverbrüchlicheNorm yorgehaltene Moral-Gesetz, der heilige Wille Gottes,und daß die in unserem Inneren wohnende Stimme, die sich