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gewissenhaften Würdigung unserer moralischen Kenntnisse, unse-rer Bekanntschaft mit den allgemeinen Verpflichtungen des Men-schen, und den aus unserer individuellen Lage entspringendenbesonderen Pflichten, und in der Vergleichung unserer Gesinnun-gen, Maximen, Handlungen und deren Folgen mir den Aussprü-chen des Sitrengesctzes. Insofern nun das Resultat dieser Prü-fung uns das Zeugnis; gibt, daß unsere Handlungsweise mir demSitrcngesetze übereinstimmt, oder mit demselben im Wider-spruche steht, wird unser Urtheil über die Sittlichkeit oder Unsirt-lichkeit unsers Charakters bestimmt. Aus dieser Vergleichung undihrem Resultate entsvringt das Gefühl der Selbstachtung, desSelbstvertrauens und der Selbstzufriedenheit, aber auch die Er-kenntnis; unserer Fehler, das Bewußtseyn, wie weit wir vondem Ideale der Sittlichkeit noch entfernt sind, sittliche Demuthund Vorsicht, Fleiß und Wachsamkeit, um uns dem Sittengesetzeimmer mehr zu nähern. Da wir durch diese Prüfung zurKcnnt-niß unserer Fehler und der uns mangelnden sittlich guten Eigen-schaften gelangen, und diese Kenntnis; die unerläßliche Bedin-gung ist, um unsere Gebrechen abzulegcu, und nach den unsfehlenden Vorzügen zu streben, so ist es keinem Zweifel unter-worfen , daß durch die strenge Untersuchung unseres moralischenZustandes unsere Tugend befördert wird. Soll aber diesePrüfung ein wirksames Beförderungsmittel unserer sittlichenVeredlung werden, so muß sie mit Redlichkeit, Aufrichtigkeitund einer, von jeder Eigenliebe entfernte» Strenge, und oftangestellc werden, weil wir nur auf diese Weise ein wahres,nicht durch Selbsttäuschung entstelltes Bild unseres moralischenZustandes, seiner Veränderungen und unserer moralischen Ver-edlung oder Verschlimmerung erhalten können. Die Aufmerk-samkeit auf das Betragen anderer kann als Bey-spiel der Nachahmung oder Warnung unsere moralische Ge-sinnung erregen und stärken, indem sie uns die Schönheit derTugend in fremden Beyspielen zeigt, und unseren Nachah-mungstrieb erweckt, oder das Häßliche des Lasters anschaulichdarstcllt, und uns davor mit Abscheu erfüllt.