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1 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
Seite
434
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tz. 6r.

Die Tugend gibt dem Menschen sittliche Würde, sie be-lohnt ihn mit dem beruhigenden und erhebenden Gefühle derSelbstzufriedenheit, und hat den wirksamsten Einfluß auf seineGlückseligkeit, wahrend das Laster ihn herabwürdigel, ihn mitGewissensunruhe erfüllt, und ihm durch die Zerstörung der Ein-heit mit sich selbst, und durch so viele andere mit den Übertre-tungen des Sirrengesetzcs verbundene nachtheilige Folgen einunglückliches Daseyn bereitet. Jede gute That hat ihre gutenFolge» für uns und für andere, und reicht mir ihren Wirkun-gen oft sogar auf die Nachwelt, eben so unendlich kann dieWirkung einer bösen Handlung seyn, auS der sich immer Bö-ses entwickeln, die wenigstens der fortwährende Anlaß zumBösen seyn kann, und auf diese Weise eine Schandsäule wird,die sich über dem Grabe des Menschen aufthürmt. Die e rnst-lich-e Betrachtung der Schönheit der Tugend,des Verabscheuungs würdigen des Lasters,ihres Einflusses auf die Glückseligkeit oderUnglückseligkeit des Menschen, und die Er-wägung der im voraus nicht zu berechnendenFolgen derTugend und desLasters muß den Men-schen mit Liebe und Ehrfurcht für die Geborhe des Sittenge-setzes erfüllen, und in ihm den festen Entschluß, seine Pflich-ten zu erfüllen, hervor bringen. Der Mensch, der das Guteernstlich will, ist auch von der Ausübung desselben, von derAusführung seiner sittlichen Entschlüsse, die bald in ihm zurReife kommen werden, nicht mehr ferne, und folglich sind jeneBetrachtungen, durch welche die Entschlossenheit zum Gutenbewirkt wird, auch Beförderungsmittel der Tugend und Sitt-lichkeit.

§. 62.

Die moralische Selbstprüfung ist nichts anderes,als die Untersuchung unseres gegenwärtigen moralischen Zustan-des, nach den Forderungen des Sittengesetzes und dem ganzenUmsange unserer Pflichten betrachtet. Sie besteht also in einer