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1 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
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326
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§. 6 .

Der Mensch strebt nach dem Angenehmen d. h. nachdem, was seine Sinne reizt und befriedigt, und nach demNützlichen oder dem, was ihm eine längere Dauer seinerWohlfahrt verbürgt. Dieses Streben nach Wohlseyn, auch derG l ücks e l ig k ei t § tr ic b oder die Selbstliebe genannt,ist ein Grundtrieb der menschlichen Natur, und beruht aufder Empfänglichkeit für alle Eindrücke der äußeren und in-neren Sinnlichkeit. Also nicht bloß, was den Gaumen oderdas Gefühl kitzelt, das Ohr und Auge ergeht, und die Ge-ruchswerkzeuge in angenehme Thätigkeit setzt, auch die Ver-gnügungen geistiger Art, als die der Phantasie, des ästheti-schen Geschmackes, der Sympathie u. s. w. sind ein Gegen-stand des Triebes nach Wohlseyn. Der Mensch wünscht ange-nehme Empfindungen, und wünscht, daß sie so lange als mög-lich dauern. In der möglichst größten Summe an-genehmer Empfindungen und in ihrer mög-lichst längsten Dauer für dieses Leben besteht die Glück-seligkeit , die dem sinnlichen Begehrungsvermögendas Ideal seiner Bestrebungen wird. Aber außer diesem sinn-lichen Begehrungsvermögen kündiget sich in dem Menschen auchein re in v e rn ü n ftig es an, das nicht sinnlich und. egoi-stisch auf die eigene Wohlfahrt, sondern auf einen Zweck ge-richtet ist, der an und für sich gut ist, und den nachdem Ausspruche der Vernunft, jedes vernünftige Wesen zuerreichen sich bestreben soll.

§- 7 -

Manche Handlungen erfüllen uns mit Wohlgefallen,während andere unser lebhaftestes Mißfallen erregen. Die-ses Wohlgefallen und Mißfallen ist nun entweder ein mittel-bares, bedingtes, oder ein unmittelbares, unbe-dingtes. Aus der Angemessenheit einer Handlung zur Er-reichung eines gewissen Zweckes entspringt die erstere Art desWohlgefallens. Hier erfüllt uns also nicht die Handlungsweise,