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1 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
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zeuge find die Lippen und die Fingerspitzen, in denen die mei-sten Nerven Zusammenkommen.

Zum Schluffe noch einige einzelne Bemerkungen überdiesen Sinn:

1) Durch das Gefühl erhalten wir die Vorstellungen vonden wichtigsten Eigenschaften der Körper, von der Undurchdring-lichkeit, Harre, Weichheit, Festigkeit, Flüssigkeit rc.

2) Besonders fein wird der Betastungssinn bey den Blin-den, vorzüglich bey den Blindgebornen. So haben diese z. B.in den für sie errichteten Erziehungs - Instituten eigene, etwaserhöht gedruckte Bücher und Landkarten.

Einen ähnlichen Grad der Feinheit erreicht das Gefühlmanchmahl auch bey tauben Menschen. Ein merkwürdiges Bey-spiel wird in dieser Hinsicht von dem verstorbenen PferdarztKersting zu Hannover erzählt:

Als Jemand, im Gespräche mit andern Anwesenden,seinen Mund zufälliger Weise nahe an Kerstings Hand brachte,empfand dieser mancherley verschiedene Eindrücke, welche dieTone der einzelnen Worte und Buchstaben auf seine Nervenmachten. Da er nun durch öfteres Wiedcrhohlen diese Eindrücke,die z. B. das R, das S, und die andern Buchstaben, indemsie ausgesprochen wurden, auf ihn machten, hinlänglich unter-scheiden gelernt hatte, setzte er sich aufdiese Art ein eigenes Alpha-bet zusammen, so daß er einen Menschen, der langsam gegenseine Hand sprach, verstehen konnte, wenn er auch die Bewe-gung seines Mundes gar nicht sah."

Zur Vollkommenheit des Gefühlssinnes wird erfordert:a) Daß die Nerven weder überreizt, noch abgestumpftscyen.

k>) Daß die Fasern *) weder zu steif, noch zu erschlafftund schwach seyen.

c) Feinheit der Oberhaut, welche die Nerven überdeckt.

*) Fasern werden jene zarten Fäden genannt, mit welchendie festen Theile der Thier- oder Pfianzenkörper zusammengc«webt sind-