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Ost wird auch durch den Verlust eines Sinnes, die Feinheitanderer sehr befördert. So ist z. B. bey den Blindgebornender Betastungssinn äußerst fein.
Daß übrigens sowohl die Schärfe als auch die Feinheitder Sinne sich vorzüglich auf den ungeschwächten Zustand der-selben gründet, zeigt sich insbesondere daraus, daß ihre Wach-samkeit und Wahrnehmungskrast des Morgens am stärksten ist.
§- 2 -
Sinnestäuschung.
Soll ein auf unsre Sinne gemachter Eindruck vollkommenrichtig und deutlich aufgesaßt werden, und hiernach die wahreund zweckmäßige Wirkung auf das Vorstellungsvermögen Her-vorbringen: so darf er weder zu stark noch zu schwachseyn, weder zu lange anhalten, noch zu schnell vor-übereilen ; denn zu schwache oder zu flüchtige Eindrücke werdengewöhnlich zu wenig oder gar nicht bemerkt, wogegen diezu starken betäubend, die zu langen aber ermüdend wirken.
Bey den sinnlichen Wahrnehmungen kommen häufig Täu-schungen vor. So z. B. glaubt der Schiffende, das Ufer mitallen darauf befindlichen Gegenständen bewege sich. Die Däm-merung zeigt uns manche Gestalten viel größer und fürchter-licher, als sie wirklich sind. Das plötzliche Fallen irgend einesKörpers scheint oft ein Schuß zu seyn u. s. w.
Wir muffen daher gegen die Angabe der Sinne sehr aufder Hut seyn. Leidenschaften, Vorurtheile, augenblicklicheStimmung, Leichtgläubigkeit, Unkenntniß der Physik rc. be-wirken die meisten Täuschungen und Jrrthümer, welche durchErhaltung der Sinne in gutem Zustande, durch Übung, Auf-merksamkeit, Eemüths- und Geistesruhe am sichersten vermie-den werden.
Wir betrachten nun die Beschaffenheit und den Wirkungs-kreis jedes einzelnen Sinnes.