A» der englischen wird noch insbesondere ihr Mangel anWohlklang gerügt. Vergebens hat Sheridan sich bemüht, zurWiderlegung dieses Vorwurfes, ihren Reichthum an Voealenund Doppellaukern, den Wechsel ihrer Längen und Kürzen inProsodie und Sylbenmaß darzuthun. Dagegen hat die englischeSprache wieder den Vorzug, unter allen gebildeten SprachenEuropa's die meiste Einfachheit in ihrem Baue und in denFormen zu besitzen. Sie hat keine künstlichen Beugungsfälleder Hauptwörter, und zeigt an denselben keinen Unterschieddes Geschlechtes, als denjenigen, der sich auf die Natur selbstgründet; ihre Beywörter sind, die Steigerung ausgenommen,unveränderlich u. s. w.
tz. 19.
Vorzüge der deutschen Sprache.
Jean Paul, in der Vorschule der Ästhetik, rühmt denReichthum unserer Sprache, und behauptet, sie sey destoreicher, je mehr Freyheiren, Wechsclfälle und Anomalien(Abweichungen von den Hauptregeln) vorhanden seyen. Hierherzählt er auch ihre vielen Synonyme und Doubletten, undführt selbst die abgekommenen Adjectiv-Umbildungen der Adver-bien als Zeugen eines besonder» Bildungstriebes und als Erbeneines reichen Sinnes an. Man umschreibe, sagt er, z. B. e i n-mahlige, etwanige, sonstige u. s. w., und zähle dar-auf die Zeilen. So dankt dem Himmel für den vierfachen Geni-tiv : „Liebesmahl, das Mahl der Liebe, der Liebe Mahl,das Mahl von der Liebe;" und bittet den Franzosen, es zuübersetzen. Unsere Sprache schwimmt in einer so schonen Fülle,daß sie bloß sich selber auszuschopfen braucht. Wenn man denReichthum unserer Sprache, gleichsam eines Spiegelzimmcrs,das nach allen Seiten wiedergibt und mahlt, am vollständigstenausgelegt sehen will, so überzähle man den deutschen Schatzan sinnlichen Wurzel-Zeitwörter». Als Probe gibt er die Zeit-wörter einer gewissen Bewegung, nähmlich der zitternden,als: zittern, wirbeln, wanken, schwanken, nicken, zappeln.