r36
klang/ der portugiesischen mehr Weichheit eigen/ und deritalienischen mehr Biegsamkeit als der französischen.
Den Spaniern/ bemerkt Sismondi in seiner Geschichteder südlichen Literaturen/ ist es nicht sehr zweifelhaft/ daßihre Sprache sich in den drey Jahrhunderten/ welche die Herr-schaft der Wcstgochen wahrte / gebildet habe. Sie ist unver-kennbar das Resultat der Vermischung des Deutschen mit demLateinischen, und der Zusammenziehung des Letzter». DaSArabische hat sie allerdings später mit einer großen Anzahl vonWorrern bereichert, die mitten in einer romanischen Spracheeinen ganz fremden Charakter behalten; es hat ohne Zweifelauch auf die Aussprache eingewirkt, aber es hat den Geniusder Sprache nicht verändert. Das Spanische und Italienische,obgleich ihr Ursprung gemeinsam ist, weichen doch auf einesehr merkliche Art von einander ab; die Key der Zusammen-ziehung der Wörter weggeschnittenen und beybehaltenen Syl-ben sind nicht dieselbe», so daß Wörter von einerlei) lateini-schem Ursprünge sich nicht mehr ähnlich sehen. Die Italienerhaben die starke Aussprache der Römer gemildert, während dieSpanier eine größere Anzahl rauher Sylben beybehalten, unddie Aspirationen vervielfältiget haben. Das vollklingendere,betontere, aspirirtere Spanisch hat etwas Würdigeres, Feste-res, Gewichtigeres; auf der andern Seite hat diese von Philo-sophen und Rednern noch weniger als das Italienische behan-delte Sprache weniger Geschmeidigkeit und Bestimmtheit er-langt; in ihrer Große ist sie nicht immer deutlich, und ihrePracht ist nicht frey von Schwulst. Ungeachtet dieser Verschieden-heiten können beydc Sprachen sich noch als Schwestern erkennen,und der Übergang von der einen zur andern ist leicht.
Der Rcichrhum der italienischen Sprache, ihre Freyheitder Wortstellung, die Schönheit und Harmonie ihrer Tönemacht sie fähig, sich jehem Gegenstände der Darstellung iunigstanzuschmiegen; sie kann eben so kräftig und feyerlich als sanftund zärtlich seyn, und übertrifft in dieser Rücksicht sede andereeuropäische Svrache.