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1 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
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übereinstimmende Vorstellung, z. B. daß dem Gelbsüchtigenalles gelb erscheint, wird ein Schein genannt, der zumJrrthume wird, sobald der Beobachtende sich verleiten laßt,seine mit dem Objecte nicht übereinstimmende Vorstellung fürübereinstimmend, folglich einen falschen Satz für wahr zu hal-ten. Der Jrrthum ist hiernach ein durch einen gewissen Scheinveranlaßtes falsches Urtheil, welches der Urtheilende für wahrhalt. Z. B.Wenn jemand den Mond nicht für großer halt,als er dem betrachtenden Auge zu seyn scheint."

Der Schein und Jrrthum kann formal und materialseyn, je nachdem sie die Form oder den Inhalt der Erkennt-nisse betreffen.

Der formale Jrrthum, welcher entweder aus Un-kenntniß der Gesetze und Bedingungen unserer Erkenntnisseund Vorstellungen, und des Umfanges ihrer Anwendung,oder aus Übereilung in Fällung der Urtheile entspringt, theiltsich wieder in den logischen, ästhetischen und trans-scendentalen. Der erste ist vorhanden, wenn man insei-nen Urtheilen den Gesetzen des Verstandes entgegen handelt,der ästhetische, wenn bey Fällung eines Unheiles die Gesetzeder Anschauung überschritten werden, und der transscenden-tale, wenn man gegen die Gesetze einer möglichen Erkenntnißverstößt.

Der logische Jrrthum kann von so vielfacher Artseyn, als cs Gesetze des Denkens gibt, und so ergeben sichaus den in der reinen allgemeinen Logik aufgestellten Gesetzen,die aus Übertretung derselben entspringenden, der logischenWahrheit gegenüber stehenden Jrrthümer. Die Betrachtungder ästhetischen Jrrthümer gehört in die Anschauungslehre, dieder transscendentalen in die Transscendental-Philosophie.

Die materialen Jrrthümer, die t r a n s sc e n d e n-tal oder empirisch seyn können, je nachdem der Grunddes Scheines, welcher zu denselben verleitet, in der Art undWeise, wie unser Erkenntnißvermögen seine Functionen ver-richtet, oder in empirischen Bedingungen zu suchen ist, haben