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unsittlich, blutlos und widrig das Werk, dag aus der kalten,klugen und tugendhaften Geschlossenheit eines Künstler-tums geboren ward! Die Moral des Künstlers ist Hin-gebung, Irrtum und Selbstverlust, sie ist Kampf und Not,Erlebnis, Erkenntnis und Leidenschaft.
Moral ist ohne Zweifel die höchste Angelegenheit desLebens, sie ist vielleicht der Wille zum Leben selbst. Alleinwenn es mehr ist als eine Theatersentenz, daß das Lebender Güter höchstes nicht sei, so muß es etwas Höheres undEndgültigeres geben als diesen Willen, und wie die Moraleine Korrektur und Disziplinierung des Freien und Mög-lichen zum Begrenzten und Wirklichen ist, so bedarf auchsie wiederum eines Korrektivs, einer Richtigstellung, einerunaufhörlichen, nie ganz zu überhörenden Mahnung zurEinkehr und Abkehr . . . Nenne es Weisheit, dieses Korrektiv
— und sein Gegenteil wird die Torheit des Mannes sein,welcher der Zeit und dem Tage mit so verblendetem Eiferanhing, daß er dem Schlafe fluchte. Nenne es Religiosität
— und sein Gegenteil ist jene heidnisch gebundene Tierheit,die mit der Schnauze am Erdboden haftet und über sichden großen Frieden der Sterne nicht sieht. Nenne es Vor-nehmheit — und sein Gegenteil ist die Gemeinheit, die sichvöllig und ohne Sehnsucht im Leben und in der Wirklichkeitzu Hause fühlt und eine höhere Heimat nicht kennt: wie esdenn Menschen gibt von so unsterblicher Gemeinheit undTüchtigkeit, daß man nicht denken kann, sie könnten jemalssterben, könnten jemals der Weihe des Todes teilhaftig werden.
Daß nicht die Depression, sondern die Leidenschaft, daswag Gotama Buddha das „Anhängen" nennt, dag hitzigeEngagement unseres Jchs an Tag und Tun uns den Schlafraubt, ist von mehr als nervöser Bedeutung: es bedeutet,